Australia

SEPTEMBER

Tag 1 – Anreise Samstag 8.9. 15:00
Der erste Tag meines Freiwilligen Sozialen Jahres in Australien begann genau genommen schon gestern in Frankfurt. Denn am 07.09.2007 ging es um 15 Uhr mit Thai Airlines gen Sydney los.
In Begleitung meiner Reisgefährten Florian Schellin, Andreas Spomer und Konstantin Bessonov musste ich zu meinem anfänglichen Erschrecken feststellen, dass der angenehme Service den Thai Airlines seinen Passagieren bietet sich in unserer Maschine leider nicht bis zu einem individuellen Multimedia-Bildschirm erstreckt. Nichtsdestotrotz vergingen die elf Stunden im Fluge.
[Flug]
Ebenso problemlos verlief der rund anderthalb-stündige Zwischenstopp in Bangkok. Erwähnenswert finde ich lediglich das Vorhandensein eines Muslimischen Gebetsraumes.
[Gebetsraum]
Nach weiteren neun Stunden Flug erreichten wir dann pünktlich um 20 Uhr Ortszeit Sydney. Vom internationalen Flughafen ging es dann mit der S-Bahn weiter zum Hauptbahnhof. Leider zu horrenden Preisen: 14 Dollar (ca. 8,50 €) für nur vier Stationen.
Unser wirklich sehr nahegelegenes Quartier, das Wake Up Hostel, stellte sich als absolut in Ordnung heraus. Ebenso Megan Kyffin, ein Mädchen aus England, das, wie wir, elf Monate bei Outward Bound Australia als GAP Studentin verbringen wird.
Der schon bei Abreise von einem starken Schnupfen geplagte Flo nutzte unser Vierbettzimmer schon bald als nächtliche Ruhestätte, während Andi, Konstantin und ich uns auf machten zu einer kleinen Erkundungs- und Foto-Tour durch das nächtliche Sydney. Selbst die kalte Luft bei nahezu beständigem Regen und großräumige Absperrungen aufgrund des APEC-Gipfels konnten uns nicht davon abhalten, den Hafen aufzusuchen. Belohnt wurden wir durch einige wirklich sehenswerte Fotos, bei denen mir bisher unbekannte Möglichkeiten durch die neue Kamera eröffnet wurden.
[Opera House]
Als wir gegen etwa 1 Uhr wieder unsere Unterkunft erreichten, stellte sich uns die besondere Herausforderung den noch auf 17 Uhr eingestellten Kreislauf in einen erholsamen Schlaf zu wiegen.
Zusammenfassend macht Sydney auf mich den Eindruck einer weltoffenen asiatischen Metropole. Nicht nur Landschaft und Passanten bezogen, bin ich heute noch nicht in Down Under angekommen.


Tag 2 –Ankunft Sonntag 09.09.2007 15:00
Für meine Verhältnisse schon erstaunlich früh erwachten wir, alle noch immer unter den Einwirkungen des Jetlags, so gegen 7 Uhr. Dennoch recht gut erholt und mit einem kleinen Frühstück gestärkt, blieb uns mit dem schweren Gepäck nichts anderes übrig als uns direkt auf den Weg zum Domestic Airport zu machen.
[ko]
Obwohl Meg und ich einen früheren Flug als die anderen drei gebuchten hatten, kamen wir nach rund einstündigem Flug später in Canberra an. Dort wurden wir bereits von Marcelo, einem Brasilianer in Diensten von Outward Bound Australia, empfangen. Zeitgleich kam außer uns noch Abi, ein Britin, an. Sie ist, ebenso wie die bereits im zwölf-sitzigen Funbus auf uns wartenden Ruth, Emma und Juliana, ein „direct entrie“. Diese vier fangen also als feste Mitarbeiter bei OBA an.
Die rund 45-minütige Fahrt wurde neben stadtrundfahrtähnlichen Erklärungen auch zu einem kurzen Halt am Shoppingcenter genutzt. Andi, Flo und ich nutzten einen, der 150 zu unserer Überraschung in Australien existierenden, Aldis um kleinere Besorgungen zu machen.
Nahezu ebenso überrascht war ich von dem, sich am Rande des Outbacks befindenden, Basis-Quartiers. In einem spärlich eingerichteten Zweibettzimmer mit Konstantin teile ich mir mein nun für elf Monate neues Zuhause mit zwölf weiteren Personen.
[zimmer]
Diese nehmen an einem 8-monatigen Trainingsprogramm teil und waren daher bei unserer Ankunft und auch weitere fünf Tage bis Freitag unterwegs. Umso interessanter war es für uns natürlich etwas über ihre Persönlichkeiten anhand der hinterlassenen Gegenstände zu erfahren. So erkundeten wir also im Verlaufe des Abends das elf-zimmerige Apartment und dessen Einrichtung. Unter anderem stießen wir dabei auf ein Einrad, was Andi und mich dazu veranlasste dieses sofort auszuprobieren.
[einrad]
Später endeckten wir auf dem Gelände noch einen Hochseilparkour. Bei diesem handelt es sich um den größten freistehenden in der südlichen Hemisphäre.
[hochseil]
Mit dem gemeinsamen Schauen eines Films rundeten wir unseren zweiten Tag in Down Under ab.


Tag 3 – Erkundungstour 10.9.
Die erste Nacht in den geliehenen vier Wänden habe ich in einem abends zuvor ebenso geliehenen Schlafsack gut verbracht. Das morgendliche Frühstück im allgemeinen Diningroom, aufgrund von Belagsmangel auf Müsli beschränkt, stellte den Anfang einer Führung über das noch größtenteils unbekannte Gelände dar.
Unser Guide Marcelo begann nach der täglichen Morgenrunde um 8:30 Uhr seine Erläuterungen, in dem für ihn typischen Stil des Marcelengisch, einer vom brasilianischen Akzent dominierten Form des australischen Englischs, mit einem kleinen Rundgang durch die Verwaltungsräume. Neben dem CC (Course Coordinator)-Büro, der Rezeption, Besprechungsräumen und Büros der einzelnen Zuständigkeitsbereiche gibt es hier auch einen Raum in dem jedem Staff-Member ein eigenes Regalfach, ein „pigeon hole“, zusteht. In dieser Mailbox landen alle internen und externen Nachrichten für die jeweilige Person.
[Morgenrunde]
Nächster Programmpunkt waren dann die Lager. Hier wird alles Equipment und fast alle Nahrung aufbewahrt. Zum „gear“ zählen neben zahlreichen Paddelbooten, unglaublich vielen Ruck- und Schlafsäcken für die Teilnehmer auch Ausrüstungsgegenstände um einen Hochseilgarten im Wald errichten zu können. Außerdem gibt es hier Werkstätten und den Fuhrpark.
[Werkstatt]
Nach weiteren Abstechern zum nahegelegenen Fluss und den Besuchsräumen, wurde uns zum Abschluss noch das Gebäude mit dem Computer- und größten Versammlungsraum präsentiert.
Den sehr entspannten restlichen Tag verbrachten wir mit weiteren „One-Wheel”- bzw. Monocycle-Übungen. Zum Abschluss kam es dann noch zur ersten Begegnung mit einer australischen Spinne. Diese war zwar bereits tot, konnte aufgrund der Größe ihrer Leiche dennoch beeindrucken.
[Spinne]
Vom Zeitvertreiben erschöpft warteten wir gespannt auf unseren ersten richtigen Arbeitstag.

Tag 4 – Aufgabenzuteilung und Seiltraining 11.9.
Am Morgen trafen wir uns zum ersten Mal mit unseren beiden Ausbildern für die nächsten vier Tage: Keira und Vilas. Keira ist eine gebürtige Australierin, was bei 60 % ausländischen Angestellten eine Seltenheit darstellt, und bei Vilas handelt es sich um einen verschmitzten Inder.
Als nächstes kleines Intermezzo hatten wir ein Treffen mit Clare Steel, der Personalchefin. Sie stellte uns unsere Arbeitsbereiche vor. Konstantin wurde in Team A gesteckt. Das bedeutet, dass er schon gegen Ende der Woche in den West nach Perth fliegen wird um dort auf die bereits ansässigen Teammitglieder zu stoßen. Sein Einsatz dort erstreckt sich bis in die Betriebsferien in den Dezember hinein. Andi und Flo wurden dem Team B zu geteilt. Ihre Aufgaben werden sie hauptsächlich in den Snowy Mountains ableisten müssen. Meg und ich landeten im verbliebenen Team C. Wir sind hier in der nationalen Basis stationiert, werden aber für ungefähr einen Monat nach Cooleman reisen. Die Art der Tätigkeit, die wir in den jeweiligen Teams ausüben müssen ist sehr ähnlich. Der größte Unterschied liegt wohl darin, dass die anderen drei Deutschen keinen durchgehenden Lagerplatz haben und in den sogenannten „mobile bases“ die Nächte in Zelten verbringen werden. Daher freue ich mich jetzt schon auf mein, sobald Konstantin abgereist ist, solides Einzelzimmer und bin mit der Aufteilung sehr zufrieden. Als einziger verbliebener aus dem deutschsprachigen Raum hoffe ich außerdem tiefer in die englische Sprache einsteigen zu können.
Den verbliebenen Vormittag verbrachten wir mit allerlei Theorie in Bezug auf Seile, Karabiner, Knoten, Haken und Ösen. Nachmittags wurden wir dann in die Sicherungstechniken und die Vorbereitung der Kletterwand eingewiesen. Zusätzlich wurden wir noch mit dem Aufbau der „team ropes“ vertraut gemacht.
Abends betätigten wir uns künstlerisch im Collagieren.
[Gruppencollage]

Tag 5 – Seilprüfung 12.9.
Mit einem morgendlichen Probeaufbau des Teils des Hochseilgartens der nur in Partnerarbeit besteigbar ist begannen wir unseren zweiten Tag im Seiltraining. Nachdem wir die Vorbereitung zur vollen Zufriedenheit der beiden Ausbilder die als Test-Teilnehmer fungierten abgeschlossen hatten, durften Konstantin und ich uns an der „giant ladder“ versuchen. Dies stellte sich aufgrund der größer werdenden Höhe und Abstände zwischen den Stufen als schwerer als gedacht heraus. Umso mehr war es dann ein Erfolg gemeinsam die Spitze erreicht zu haben. Dieses teambildende Kletterelement hat den Praxistest aus meiner Sicht bestanden.
[aufbau]
Als nächstes wurden wir mit den Techniken eines „abseiling“-Systems vertraut gemacht. Nach Erläuterungen der Knotenanordnung war es unsere Aufgabe geeignete „anchor“, stabile Haltepunkte, ausfindig zu machen um an diesen die gelernte Konstruktion anzubringen.
[halterung]
Das soeben Erlernte konnten wir dann beim Abseilen vom Kletterturm anwenden. Wie bei alle Aktivitäten, die Outward Bound Australia nun schon seit über 50 Jahren unfallfrei anbietet, waren wir natürlich doppelt gesichert.
Beim abschließenden Kontrollaufbau hatten wir dann zum ersten Mal Kontakt mit einem Känguru in freier Wildbahn. In unserer Gegend handelt sich bei diesen jedoch um kleinere, etwa mit Rehen vergleichbare Exemplare.
[Rehe]
Am Abend galt es das schriftliche „exam“ zu bestehen. Da eher provisorisch angelegt, fiel dies niemandem schwer. Zuletzt erkundete ich dann noch den Trainingsraum, der leider nur eine ähnliche Qualität aufweist.


Tag 6 – 4-WD 13.9.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der 4-WD (Four Wheel Drives). Als zweiten Teil unseres Einführungstrainings wurden wir nach den Seilen nun mit Geländewagen konfrontiert.
Dabei gilt es in drei Disziplinen zu bestehen. Zum einen natürlich dem Steuern. Dies taten wir auf einem kleinen Übungskurs neben dem Parkplätzen. Zum anderen übten wir das Befestigen von sperrigen Gütern auf dem Dach des „vehicles“. Nicht zuletzt musste jeder von uns einen Reifen wechseln und einen Check, der vorgegebene Punkte beinhaltet, durchführen.
Außerdem wurden wir heute noch mit der Zubereitung des „dinners“ für alle betraut, da sich Kira freundlicherweise in unserem Namen dazu freiwillig gemeldet hatte.

Tag 7 – Erledigungen 14.9.
Den Vormittag verbrachten wir erneut mit Fahrtraining. Es galt eine weitere Testfahrt und ein Abschleppübung zu meistern. Mit Hilfe einer manuellen Hebelwinde, die mit einem Drahtseil an einem Baum befestig wird, mussten wir den virtuell festgefahrenen Jeep bewegen. Trotz dem Mangel einer Anleitung ist uns dies vorbildlich gelungen.
Nachdem Andi und Flo noch eine Besprechung mit ihrem Team Leiter Wayne Pitts gehabt haben, machten wir uns dann auf den Weg in einen Randbezirk von Canberra. Dort hatten wir die Möglichkeit ein Konto zwecks Gehaltszahlungen zu eröffnen und uns mit fehlendem Equipment zu versorgen. Glücklicherweise war ich bereits gut genug ausgestattet um nicht, bei den trotz der OBA-Rabatte immer noch teuren Ausrüstungsgegenständen, zuschlagen zu müssen.
Auf dem Rückweg nutzten wir den örtlichen McDrive, den ich normalerweise in fremden Ländern und Kulturen nicht befürworte, um unsere nach Fleisch lechzenden Mägen zu füllen. Leider gibt es bei den beiden täglichen Mahlzeiten nämlich hauptsächlich vegetarische Speisen um es allen recht zu machen. Spannend war bei dieser Station vor allem die Höhe unseres Funbuses in der engen Durchfahrt.
Zurück in der Basis erwartete uns die für uns zuständige, ehrenamtliche Mitarbeiterin von GAP. Das nur fünf Minuten dauernde Gespräch diente lediglich einem kurzen Kennenlernen. Ebenso lernten wir danach die heimgekehrten Juliettes kennen. Bei diesen handelt es sich um unsere zwölf Mitbewohner, die ungefähr anderthalb Monate ihrer Ausbildung bereits absolviert haben. Sie machen alle einen netten Eindruck, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie deutlicher jünger als der Schnitt der restlichen Mitarbeiter, aber immer noch etwas als wir, sind.
Abends gab es noch eine kleine Feier in Marcelos Hütte. Erwähnenswert ist vor allem die, durch die Enge des Raums in Bezug auf die große Anzahl der Feiernden und die ausschließlich selbst gemachte Musik entstandene, ausgelassene Stimmung. Vielleicht trug auch der, in Form von erstaunlicherweise so gut wie nie der Fosters Brauerei entspringenden, Biergenuss dazu bei.


Tag 8 – Trainingsabschluss 15.9. Samstag
Unser fünfter und letzter Trainingstag begann mit selbstständigen Übungen im Aufbau des komplexen „abseiling“-Systems. Nachdem wir diese zügig und routiniert hinter uns gebracht hatten, machten Andi und ich uns daran, Fotos von seinen Saltos aufzunehmen. Andi sprang vom Rand in die „wooden chips“, während ich ein paar Fotos schoss.
[salto]
Den Nachmittag bekamen wir zur freien Verfügung. Abends richteten die Julietts eine Party bei uns im Appartement aus. Neben zahlreichen neuen Trinkspielen, lernte ich auch die Verkleidungen von Chris, Tom und Whisky kennen. Der Grund für ihre Maskerade ist mir jedoch unklar geblieben.
[partyverkleidung 1]

Tag 9 – Tharwa Fair 16.9. Sonntag
Eigentlich hatten wir heute keine feste Aufgabe. Dennoch wurden wir gezwungen freiwillig beim nur einmal jährlich stattfinden Ortsfest, dem „Tharwa Fair“ mitzuhelfen. Der von OBA gestellte Stand verkaufte Wurstbrötchen, deren Belag wir vorbereiteten.
[tharwa fair1]
Um 14:30 Uhr fand dann als Höhepunkt des Tages ein Entenrennen am Fluss statt. Um teilzunehmen konnte man sich vorher für zwei australische Dollar eine Ente ‚mieten‘. Andi und versuchten unser Glück mit einem Exemplar, dem wir vor dem Wettkampf noch Mut zusprachen. Nicht nur für einen guten Zweck, sondern auch für das eigene Portemonnaie lohnenswert war es allemal. Der erste Platz wurde mit 100 AUS$ vergütet. Auch der Zweite und Dritte bekam noch 50 bzw. 25 AUS$. Glückspiel ist in Australien anscheinend also nicht nur erlaubt; es ist sogar gern gesehen. Leider war die Performance unseres Teilnehmers genau so enttäuschend wie die für eine entsprechende Dauer sorgende kurze Renndistanz.
[Entenrennen]
Den Abend prägend erneut Einige der Juliettes mit einem weiteren Trinkspiel. Sehr routiniert präparierten sie, mit nur für diesen Zweck vorhandenem Equipment, einen Bier-Pong-Tisch auf. Wie sich später herausstellte, kannten sie tatsächlich den in den USA ebenso wie das Spiel beliebten Film „Bierfest“.
[Bierpong]
LINK AUF BIERFEST 
Tag 10 – erster Einsatz 17.9.
Nach einem Gespräch mit meinem Teamleiter David Hardegger und Clare Steel, wurde ich für den Nachmittag in das „backup“-Team eingeteilt. Die Aufgabe dieses Teams ist es die momentan laufenden Kurse zu unterstützen. Aktuell finden neun Kurse von zwei verschiedenen Schulen statt, sodass es viel zu tun gibt. Unsere Tätigkeit im einzelnen werde ich in den folgenden Tagen schildern.
Da Konstantin gegen Abend gen Westen abflog um dort bis Dezember zu arbeiten, stellte ich unser Zimmer, das nun vorübergehend meins sein wird, ein wenig um. Jetzt kann man es, vor allem dank des mehr zur Verfügung stehenden Platzes, hier sehr gut aushalten.
[Neues zimmer]

Tag 11 – spannender Arbeitstag 18.9.
An meinem zweiten Tag als „backup“ lernte ich neben all meinen Kollegen auch die beiden wesentlichen Tätigkeitsfelder kennen.
Boney Fifth, der weibliche „course coordinator“, Mark ‘Beechie’ Beech, hauptsächlich ein sehr guter Fahrer, vor allem auch mit Anhänger, sowie Tanja da Silva, Elle Dugan und Erin Foley, drei Mädchen für alles, und ich hatten die Aufgabe die gesamte Arbeit hinter den Kulissen zu erledigen. Während sich Boney um „paperwork“ und das „radio“, Funkgerät, kümmerte, waren wir anderen fünf mit allem betraut, das mit Essen zusammenhängt.
[backupplan]
Zuerst stellten wir nach vorgegebenen Listen die Tagesrationen für alle neun, überdurchschnittlich vielen Kurse zusammen. Jeder „food drop“ besteht aus, „cooled food“, „fresh food“ und „dry food“. Das trockene Essen war bereits in “super bags” vorbereitet, sodass wir lediglich das frische Essen, hauptsächlich bestehend aus Obst, Gemüse, Brot und anderem länger haltbarem Verderblichem, sowie das gekühlte Essen, wie Fleisch und Käse, hinzufügen mussten. Sehr ausgewogen nahm dies den kompletten Vormittag in Anspruch.
[fooddrop]
Der zweite Arbeitsschritt besteht dann darin die präparierten Lunchpakete an verschiedenen, festen Plätzen im Wald abzuladen. Dazu beluden wir einen 4-WD mit Anhänger und machten uns auf den rund 100 km langen Weg. Leider schloss heute einer der „instructors“ den Schlüssel eines Anhängers, der zur Aufbewahrung der täglich erneuerten Rationen, auf einem abgelegenen Rastplatz abgestellt wurde, in diesem ein. Daher mussten Beechie und ich fast die gesamte Tour noch einmal fahren, um mit einem Ersatzschlüssel auszuhelfen. Entsprechend spät erreichten wir dann erst wieder die Basis.

Tag 12 – schon wieder Überlänge 19.9.
Der dritte Tag im „backup“ war dem zweiten sehr ähnlich. Unterschieden hat er sich nicht in der Länge der Tour, die wir erneut doppelt machen mussten, sondern nur in meiner Begleitung, die heute aus Erin statt Beechie bestand und dem Grund unseres Umwegs. Einem teilnehmenden Kind ging es nicht gut, sodass es sich ständig übergeben musste. Daher holten wir es am Ende des Tages ab. Die Wartezeit bis die „health form“ ausgefüllt war, überbrückten die Leiter mit einem merkwürdigen Spiel, bei dem sich die Kinder einem bestimmten Raster folgend auf verschiedene Arten anschreien mussten.
[krankpart]
Grundsätzlich konnte ich mich heute schon viel nützlicher machen, da ich den Ablauf bereits kannte. So war es meine Aufgabe, die „bombys“, mobilen Toiletten, die wir neben dem Essen und Wasser auch an den Stützpunkten abstellten bzw. die benutzten wieder einsammelten, auf dem Dach des Autos mit spezieller Schnür-Technik zu befestigen.

Tag 13 – Interessantes kennengelernt 20.9.
Geplanter Beginn dieses Tages war um 7:30 Uhr. Doch als ich sogar pünktlich an den „individual ropes“ erschien, um bei deren Aufbau mitzuhelfen, war dieser schon fast geschehen. Die anscheinend sehr vorfreudigen Teilnehmer veranlassten ihre Leiterin meinen Kollegen und ihren Zimmerpartner Beechie schon vorfristig zum mithelfen zu bewegen. Daher wurde ich für die Vorbereitung der „climbing wall“ eingeteilt. Den verbliebenen Vormittag nutzten wir zum Beladen des „vehicle“, wobei zwischenzeitig, aufgrund der guten Vorarbeit an den vergangenen Tagen, sogar Auspannen möglich war.
[relax]
Die nachmittägliche Standardtour mit Beechie und Ellen hatte heute etwas Besonderes zu bieten. Beechie nimmt an einem GPS-Spiel im Internet teil, bei dem er von anderen Teilnehmern vorgegebene Orte aufsuchen muss, um dann dazu Fragen beantworten zu können. Erste, der beiden erstaunlicherweise nahe an unserer Route liegenden Punkte, war eine Informationstafel auf einem gut 1300 Meter hoch gelegenen Campingplatz. So erfuhr ich, dass das Gebiet rund um unser Quartier in etwa auf 1000 Meter Höhe liegen müsste. Einige Abschnitte der Touren reichen wohl noch weiter 500 Meter hinauf. Am zweiten Ortungspunkt, der sich unter einer Brücke nahe der Nationalparks-Verwaltung befand, konnten wir sogar eine speziell zu diesem Zweck deponierte Kiste entdecken.
[gps]
Am Abend hatte ich für Andi und mich eine Filmvorführung organisiert. Da wir uns über die Autoren der Evangelien uneinig waren, hatte ich die bezüglich Mark, den Religions- und Reserve-Lehrer einer der Schulen, angesprochen. Statt selbst zu antworten zeigte er uns eine Dokumentation, die sich „Who wrote the Bibel?“ nennt. Leider konnte unsere Anfrage, mit dem Hinweis auf historische Unklarheit, nur teilweise aufgelöst werden.
[filmabend] 
Tag 14 – Alltag 21.9.
Ein weiterer, ganz normaler, leider schon um 7 Uhr beginnender Arbeitstag im „backup“-Team stand an. Morgens haben wir Tanja zur Gruppe um und mit Amy gefahren, bei der diese bis morgen bleiben wird. Danach haben wir noch eine zurückgelassene „firedrum“ gesucht.
Den ganzen Tag über nutzte Beechie sein GPS-Gerät, um unsere Route und alles wichtigen Standorte als individuelle Karte festzuhalten.
[Gps2]


Tag 15 – Abschluss des ersten Kurses 22.9.
Auch wenn der Tag bereits um 6:30 Uhr mit dem Abstellen eines Lageranhängers auf einem entfernteren Standort begann, war es doch ein entspannter Tag. Bei unserem nächsten Halt, trafen wir zwar auf das Problem, dass ein Junge seine Tasche in dem vorgesehenen großen Stoffsack, der gefüllt „pod“ heißt, nicht finden konnte, doch später tauchte sie wieder auf.
Da es der letzte Tag der Kurse war, bestand meine Aufgabe hauptsächlich im Aufhängen und anschließenden Falten der Plastikunterlagen, der alten „dead“ bzw. neueren „live biwis“. Vor der Abschlussrunde aller Beteiligten am „blue Peter“, der nur in aktiven Zeiten gehissten Flagge Outward Bounds, half ich den Nachzüglern noch beim Endpacken und Verstauen ihrer „pods“. Außerdem müssen am Ende einer Einheit alle Fahrzeuge kontrolliert werde, sodass ich einen 4-WD durchcheckte.
Auf dem Rückweg zu meinem Quartier organisierte ich mir, symbolisch als Belohnung für die schon mittags bekommenen, positiven „feedback“-Formulare, ein Kopfkissen. Daher hatte ich nun zwei gute Gründe die Nacht geruhsam zu verbringen. Bis es soweit war unternahmen Flo und ich noch eine kleine Fotosafari auf der Suche nach dem Sonnenuntergang.
[sunset]
Außerdem gab es abends bei Beechie noch eine Feier. Da sein Vater Pizzaöfen für den Garten produziert, wurde der vorhandene natürlich zu diesem Zweck, mit dem Ergebnis köstlicher Pizzen, genutzt. Ausgelassene Stimmung kam dann durch Rugby im TV, Geschicklichkeitsspiele und Singstar unterstützt schnell auf.
[beechieparty1]


Tag 16 – food bagging and packing 23.9.
Beginnend um 8:30 Uhr stand der heutige Tag ganz im Zeichen des „food bagging und packing“. Es galt also, auf freiwilliger Basis, da diese Aufgabe nur mein Team C betraf, von dem die meisten Mitglieder die letzte Woche einen Kurs hatten, möglichst viel Essen in kleine Tüten umzupacken. Dies wird hier, streng nach den „policys“, mit der doppelten Sicherung einer zweiten Plastiktüte um die erste herum getan. Man nennt es „double bagging“.
[foodbagging]
Schon um 16 Uhr wurde dieser, doch recht eintönigen, Beschäftigung dann ein offizielles Ende gesetzt, sodass der restliche Nachmittag frei war. Diese Zeit nutzte ich um, mit einem geliehenen Fahrrad, einen Trip in die Stadt zu versuchen. Da die einzige Brücke in Tharwa aufgrund ihres Alters marode und für Autos gesperrt ist, kannte ich diesen kürzesten Weg zum Supermarkt noch nicht. Mit dem Fahrrad kann man sich leicht an der Absperrung vorbeizwängen, sodass die folgende, fünf Kilometer lange Strecke auch kein Hindernis mehr darstellte. Die nicht vorhandenen Autos empfand ich, vor allem auf der Rückfahrt im Dunkeln, sehr angenehm, während Andi und Flo, die versuchen wollten zu Trampen, natürlich aufgeschmissen waren und die Stadt trotz einstündigem Fußmarsch nicht mehr erreichten.
Auf der Hinfahrt gelangen mir sogar noch eine paar ansehnliche Fotos.
[landschaft] 
Tag 17 – Team Day 24.9.
Auch wenn der Tag um 7 Uhr mit erneutem „food bagging and packing“ begann, war er doch ab 13 Uhr nach dem Lunch dem Team gewidmet. So machten wir uns nach dem Betrachten des Films „Fish“, bei dem es sich um eine halbstündige Dokumentation über den Teamgeist in einer Fischbude handelt, auf den Weg in die Stadt.
Erster Halt war ein Second Hand Laden. Hier galt es, für eine zuvor zufällig zugewiesene Person, etwas möglichst verrücktes zum Anziehen zu kaufen. Da ich das „fancy dress“ genannte Spiel noch nicht kannte und mir unsicher war, wie viel ich der mir zugelosten Meg zumuten kann, entschied ich mich für die schlichte Lösung eines sehr hässlichen Jacketts. Diese Gutmütigkeit sollte ich später noch bereuen.
Denn als wir am bis in den Ort reichenden See angekommen waren und den öffentlichen, kostenlos benutzbaren Elektro-Barbecue-Grill in Beschlag genommen hatten, wurden die gutgemeinten Geschenke umgehend ausgetauscht. Mich traf es mit einer Jeans-Latzhose, einem Rüschen-Damen-Top und Ohrringen recht heftig. Die Zeit, die das Fleisch zum garen brauchte, vertrieben wir uns mit Kicken und Boccia.
[fancy dress]
Als letzte Station der nachmittäglichen Freizeitgestaltung die nun schon abendlich wurde war „ten pin bowling“ an der Reihe. Auf drei der 24 Bahnen, die wir für zwei Spiele mieteten, hatten wir, nicht nur bedingt durch die unverständlichen Blicke aller anderen aufgrund unserer ungewöhnlichen Kleidung, viel Freude. An dieser Stelle ein Dank an Timo, Matthi, Domme und Chille, deren guter Vorbereitung ich ein gutes Abschneiden verdanke. Gegen meinen Teamleiter Dave, der sogar einen Turkey, Tripple Strike, zustande brachte, konnte ich jedoch wenig ausrichten.
[bowling]

Tag 18 – 1st day off 25.9.
Nachdem ich ausgeschlafen hatte, begann mein erster von drei freien Tagen, die hier mit „days off“ bezeichnet wird. Endlich konnte ich mal ein bisschen ausspannen. Glücklicherweise war heute rein gar nichts los. Lag vielleicht auch daran, dass Andi und Flo nun auch nicht mehr da sind. Sie machen „touring“, was soviel bedeutet wie die Gegend zu erkunden.
Die daher freie Zeit habe ich hauptsächlich genutzt um ein bisschen an der Webseite zu basteln.


Tag 19 – 2nd day off
Heute habe ich mein Zimmer aufgeräumt und weiter an der Webseite gearbeitet. Noch fehlen bei beiden einige schmückende Elemente. Dies wird sich aber hoffentlich im Laufe der Zeit ändern. Einen Anfang online stellen schon mal die neuen Bereiche „FSJ“ und „OBA“ dar. Auf der Seite Outward Bound Australia berichte ich über alle Details meine Arbeit betreffend.
[aufräumen]
Gegen Abend trudelten dann auch Andi und Flo wieder ein. Sie hat zwei eiskalte Nächte und das erste Mal „caving“, durch eine Höhle kriechen, hinter sich. Dafür wurden sie mit einem Barbecue belohnt.

Tag 20 – 3rd day off
Da Andi und Flo heute auch frei hatten und für ihren morgen beginnenden Kurs noch Equipment benötigten, ließen wir uns von Chris mit in die Stadt nehmen. Dort konnten die beiden sich eine Kopflampe zulegen, die ich wohl auch noch brauchen werde. Aufgrund des hohen Preises und der, für mich grundsätzlich geringen Attraktivität, verzichtete ich noch darauf. Auf dem Rückweg hatten wir schließlich noch Gelegenheit bei Aldi einzukehren, sodass Andi seinen Cola-Vorrat wieder aufstocken konnte.
[colaaldi]


Tag 21 – preparation day
Nach einer taghellen Vollmondnacht, waren Andi und Flo mit dem gesamten Team B bereits vor meinem Tagesbeginn, der Morgenrunde, in die Snowys abgereist. Meine Aufgabe bekam ich heute von Ali zugeteilt, der als „course coordinator“ für den, aus seiner Sicht, „our best course targeting the most influenced age group“ verantwortlich ist. Der „preparation day“ dient zu dessen Vorbereitung. So war es dann an Meg und mir das Essen für die ersten beiden Tage zu packen. Dies stellte jedoch eine besondere Herausforderung dar, weil bereits fast alle Vorräte von uns für Cooleman eingepackt worden waren. Außerdem mussten wir das, bei diesem Kurs zum ersten Mal zu Testzwecken eingesetzte, Trockenessen rationieren.
Die Mittagspause nutzte ich für einen kurzen Abstecher nach Tharwa zur Post. Bei dieser handelt es sich um einen sehr alten Laden, indem ein sehr alter Mann sehr alte Postkarten verkauft.
[post]
Da es am Nachmittag nicht mehr viel zu tun gab, konnte ich Bjorn noch bei dessen „cooperation“-Erledigungen helfen. Zu diesen zählt unter anderem ein Spiel, bei dem die teilnehmenden Geschäftsleute aus scheinbar ausschließlich nutzlosem Zeug, wie zum Beispiel Eisstielen, einer kaputten Tasse und einem zerfetzten Rollo, einen Aufbau tätigen müssen, der in der Lage ist, ein vom Balkon fallengelassenes, rohes Ei aufzufangen. Voller Spannung werde ich nun versuchen, von dem, erst in drei Tagen stattfindenden Event, etwas mitzubekommen.

Tag 22 – Langeweile
Meine einzige reguläre Aufgabe bestand darin, zwei gestern vorbereitete „food drops“ zu beschriften. Danach half ich Tipu beim Überprüfen, Um- bzw. Neu-Packen, Sortieren, Beschriften und Versiegeln von Essenspaketen für Cooleman. Das war sehr eintönig und daher mühsam.
Das Aufregendste war noch der heute begonnene Spezial-Kurs für Sehbehinderte. Diese werden erstaunlich viele Übungen, wie zum Beispiel „abseiling“, trotz ihres Handikaps ausführen.

Tag 23 – erstes Zwischenfazit
Zum wiederholten Male stand heute „food bagging, packing and tagging“ auf dem Programm. Nichts Erwähnenswertes also. Abends hingegen war dann doch etwas Außergewöhnliches los. Auf meine Einladung hin trudelte so gegen 22:00 Uhr Ben Kaiser, ein australischer, erstaunlicherweise Fußballspielender und –begeisterter, ein. Mit ihm, Mac und zeitweise einigen anderen der Julietts verfolgte ich dann das WM-Finale der Frauen. Da es in Shanghai stattfand, konnten wir die Übertragung am Abend genießen.
Den glorreichen Sieg der deutschen Damen empfinde ich vor allem aufgrund der gegenlosen Serie überaus lobenswert, auch wenn ich sonst eigentlich kein Freund des Frauenfußballs bin. Nichtsdestotrotz fiel es mir natürlich nicht schwer, diesen Erfolg meines Heimatlandes als einen eigenen zu präsentieren. Dabei unterstütze mich wunderbar mein Auswärtstrikot.
[trikotschwur]

Nun, da auch dieser Tag sich dem Ende neigt verweile ich schon seit über drei Wochen im, von Deutschland so fernen, Australien. Gefühlt bin ich noch nicht einmal richtig angekommen, so schnell ist diese Zeit vergangen. Wenn das so weiter geht, sollte ich wohl schon anfangen meinen Koffer für den Rückflug zu packen.
Bisher habe ich viel erlebt und Neues kennengelernt. Dazu gehört neben Land und Leuten, vor allem Anpassungsfähigkeit und Integrationsvermögen. Denn irgendwie ist man doch ein wenig hilfloser als in der bekannten Umgebung. Da alles neu ist, muss man sich erst daran gewöhnen um nicht Gefahr zu laufen ständig etwas falsch zu machen. Dies trifft nicht nur auf die Arbeit zu, sondern auch und vor allem auf den Umgang mit anderen Menschen. Meist weiß ich auf das freundliche „How are you?“ bei jeder Begegnung noch keine ernstgemeinte Antwort.
Außerdem lässt sich jetzt schon festhalten, dass es die beste und richtige Entscheidung war, meinen Zivildienst ins Ausland zu verlegen. Mit sozialer Arbeit haben meine Aufgaben hier zwar gar nichts zu tun, aber genau das wollte ich ja so. Die Sprache ist längst nur noch Mittel und kein Hindernis mehr. Dennoch lerne ich glücklicherweise jeden Tag noch dazu und hoffe, dass dies auch weiterhin so bleibt.
Ändern wird sich hingegen die Frequenz meiner Posts auf dieser Website. Ab morgigem Oktober, meinem zweiten Monat hier, werde ich die Quantität der Beiträge, zu Steigerung derer Qualität, verringern.

OKTOBER

Cooleman – Teil 1
Nachdem ich am Abend zuvor mit Benny Kaiser ein Schwimmbad besucht hatte, machten wir uns am nächsten Morgen, dem 14. Oktober, auf nach Cooleman. So wird das Gebiet des Kosciuszko Nationalparks genannt, in dem sich unser Basislager befinden wird. Die rund dreistündige Fahrt verbrachte ich als Beifahrer von Chris im gemieteten Truck. Neben dem kurzen Stop in Cooma, der letzten Stadt vor der „mobile base“ ereignetet sich jedoch nichts Nennenswertes.
[vollbepackt]
Die letzen, rund 40 Kilometer der „unsealed road“ gingen stetig bergauf, sodass wir den Platz für unsere Zeltstadt auf gut 1600 Metern vorfanden. Alles in allem handelt es sich um eine abgeflachte Bergkuppe die zum Teil geschottert ist. Dadurch wirkt es etwas ungemütlich. Der feste Untergrund erwies sich bei späteren Regen jedoch als sehr hilfreich. Den Rest des ersten Tages verbrachten wir dann mit Aufbauen des „food, LFM und kitchen tent“. Meine Aufgabe am nächsten Tag bestand dann darin zusammen mit Pabi ein Loch für unser Plumsklo zu graben. Das Buddeln dieses Scheißlochs, das wir buchstäblich aus dem Felsen hauen mussten, stellte auch aufgrund nerviger Fliegen und heißem Sonnenschein eine absolute Scheißarbeit dar. Entgegen der Hitze des Tages waren die Nächte allerdings sehr kühl. Oft wurden es Minusgrade, sodass morgens Gefrorenes gefrühstückt wurde.
[mobile base]
Die erste Woche stand dann nach Fertigstellung des Lagers ganz im Zeichen von „touring“. Das ganze Team C macht eine Tour, bei der es die „campsites“, die Kanuroute, „abseiling tree and ropes course“ und die Höhlen kennenlernt. Dies ist insofern sehr wichtig, da nur zwei der rund 30 Kollegen vorher schon einmal in diesem Gebiet gewesen sind. Die Zeltplätze wurden bei dieser Gelegenheit auch auf mögliche Gefahren untersucht und beim Probe-Paddeln Checkpoints hinterlassen. Die gesamten Seilanlagen wurden auch von Teilen des Teams in den Tagen zuvor aufgebaut, sodass ich glücklicherweise in den Genuss der Benutzung des „abseil tree“ kam. Der „ropes course“ setzt sich aus zwei niedrigen Balance Teilen und einem höheren, brückenähnlichen Part zusammen. Zusätzlich testeten wir auch noch eine „activity“ die „tyroleen traverse“ genannt wird. Dabei galt es eine kleine Seilbahn über eine Senke aufzubauen, sodass man zum Beispiel einen Rucksack transportieren kann. Danach besuchten wir das Currango Homesteads. Neben einem kleinen Siedlermuseum findet man hier auch einen, sich im Wiederaufbau befindenden, Tennisplatz vor. Den Abschluss des „tourings“ bildete dann noch eine „caving session“. Diese empfand ich als sehr kalt, nass und ungemütlich. Die meiste Zeit muss man Krabbeln oder Robben, sodass die Beschreibung des Tauchens durch Schlamm, bei dem man ständig irgendwo aneckt, eigentlich sehr gut zutrifft. Einige Passagen sind so schmal und eng, dass man seine Arme nicht mehr am Kopf vorbeischieben konnte. Mit der Besichtigung einer „fairy cave“, wie einfach begehbare Höhlen hier genannt werden, hat das wenig zu tun. Daher gibt es in den „cooleman caves“ auch fast keine Tropfsteine. Es geht viel mehr darum sich zu überwinden sich hindurchzuzwängen und auch in unbequemen Situationen ruhig zu bleiben. Nichts desto trotz war es daher aber umso mehr eine atemberaubende Erfahrung.
Nach gut einer Woche hatte ich dann am 20. Oktober meinen ersten freien Tag. Diesen nutzte ich um mit ein paar anderen in den nächsten kleinen Ort Adaminaby zu fahren. Dort bestand die Möglichkeit im Pub und Hotel eine Dusche zu nehmen. Solch eine seltene Gelegenheit ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Da außer es neben dem Pub hier aber nur einen kleinen Laden, eine Bäckerei, eine Post, ein Maklerbüro, eine Tankstelle und eine Kunstaustellung gibt, fuhren wir nach der Säuberung weitere 50 Kilometer zurück nach Cooma, indem wir ja auf der Hinfahrt bereits gestoppt hatten. Hier verbrachten wir einen entspannten Nachmittag mit Einkaufsbummel. Außerdem schaute ich mir ein Freizeit-Kricketmatch an, dass die etwas verschlafene Stimmung der Stadt noch unterstützte.
Den verbliebenen zweiten „day off“ nutzte ich für einen gut 20 Kilometer langen Lauf mit Tipu. Aufgrund der mittäglichen Hitze und brennenden Sonne blieb die nötige Erholung dabei leider auf der Strecke. Abends wurde unser Team dann um die Hälfte der Juliets und einige andere ergänzt.
Montag, der 22. Oktober, war dann der „preperation day“ für unseren ersten von drei Kursen in Cooleman. Für mich gab es nicht viel zu tun, da die meiste Arbeit für die GIs („group instructors“) darin bestand ihr Equipment und das ihrer Gruppe zu kontrollieren. Abends fuhren dann noch fast alle nach Adaminaby um dort die Nacht im „Snow Goose“ zu verbringen. Denn am nächsten Tag ging dann der erste Kurs der Cooleman Season los und man trifft die Teilnehmer in ihren Bussen schon im Ort um ihnen den Weg zeigen zu können.
Mit elf Gruppen die gleichzeitig im Feld sind handelte es sich dabei um den größten Kurs den OBA anbietet. Daher wurden auch einige ehemalige GIs eingesetzt. Mit dem Beginn der Arbeit für die „instructors“ ging auch meine schon gewohnte „back up“-Arbeit wieder los. Diese unterschied sich in der „mobile base“ nicht wesentlich von der „national base“. Wie immer galt es Essen zu packen, Dinge auszuliefern und einzusammeln sowie Aufgaben rund um die Zeltstadt zu erledigen. Eine besondere Herausforderung stellte nur das „caving“ dar. Für dieses wurden Tipu und ich als „back up crew“ eingeteilt. Da es aufgrund unglücklicher Straßenführung gut 50 Kilometer bis zu den Höhlen sind, schlugen wir dort für vier Tage ein Zelt auf. Somit verbrachten wir die Zeit damit, den nach und nach eintrudelnden Gruppen zu helfen, da diese nur halbiert mit jeweils zwei Aufpassern hinein dürfen. Insgesamt absolvierten wir fünf Sessions, die durch die aufkommende Gewohnheit entgegen meiner ersten „caving“-Erfahrung während der Besichtigung am Ende sogar Spaß bereiteten. Diesen hatte ich jedoch definitiv bei der Gestaltung der restlichen Zeit im Außenposten. Durch gemeinsames Kochen und Essen füllten Tipu und ich die ausnahmsweise mal beschäftigungslosen Nachmittage. Zwei Kleinigkeiten noch am Rande: Beechy, der inoffizielle King of OBA, hat im Basecamp Internetzugang via UMTS, während ich noch nicht einmal Handyempfang hatte. Als außerdem kurios empfand ich die Namensgebung eines von „Hertz“ gemieteten Wagens der über Funk nur als Lima Hotel bezeichnet wurde. Diese „phonetics“ standen „Love Hurts“, der Titel eines gleich klingenden Liedes.
Durch das Intermezzo bei den Höhlen letztendlich sehr abwechslungsreich gestaltet fand der 10-tägige Kurs erstaunlich schnell am ein 1. November Ende. Den notwendigen D&M-Day, an dem es um das Aufräumen und Nachbesprechen des Kurses geht brachten wir zügig hinter uns, sodass wir für die folgenden zwei freien Tage glücklicherweise zurück nach Tharwa fahren konnten. Neben einem kurzen Trip nach Canberra stand vor allem Waschen und Ausruhen an. Denn am 4. November ging es auch schon wieder zurück in den Busch.
Der zweite Kurs den wir hier organisierten ähnelte dem ersten sehr. Es gab nur zehn Gruppen und wir wurden von der Schule auch noch durch Mentoren unterstützt. Meine Aufgabe war es erneut für einige Tage beim „caving“ zu helfen. Ansonsten ist eigentlich nichts weiter Nennenswertes passiert. Meinen Geburtstag verbrachte ich am Abend des letzten Kurstages in einer gemütlichen Runde aller Teammitglieder am Lagerfeuer. Auch bedingt durch den Abschluss des Kurses wurde ein deftiger „bushcook“ serviert. Ein Eintopf der in der Glut des Feuers zubereitet wird. Ab dem 16. November waren wir dann für eine etwas längere Pause wieder zurück in Tharwa. Mein spartanisches Quartier kam mir nach langer Abstinenz von Dusche und sonstigen Luxuserrungenschaften wie ein Paradies vor.

Zeitweilige Abstinenz
Nach zwei Tagen des Packens und Beladen von Vehikeln, machen wir uns morgen auf den Weg nach Cooleman. Bis zur Rückkehr Mitte November, bin ich daher weder in der Lage diese Seite zu ergänzen, noch in Kontakt über das Internet zu bleiben.
Gestern Abend gab es noch eine Party bei uns im Appartement. Die überschwengliche Feierfreude der Australier hat mich erneut beeindruckt. Neben einigen witzigen Spielen und Ritualen, fiel vor allem das gegenseitige Bemalen auf. Dies geschieht nicht im betrunkenen Zustand, sondern ist ein Mittel diesen zu erreichen. Ab und an steuerte ich auch einen Teil des deutschen Liedgutes zur musikalischen Untermalung bei.
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Fazit nach einem Monat
Nur kurz am Rande möchte ich noch erwähnen, dass ich heute seit exakt einem Monat hier bin. Es verbleien leider nur noch zehn.
Der Tenor dieser Aussage ist dann auch der Tenor der gesamten bisherigen Zeit in Down Under. Mir gefällt es von Tag zu Tag besser in Australien, weg von zu Hause und auf mich allein gestellt. Ein Ende dieser Entwicklung, die ich als sehr positiv empfinde, ist glücklicherweise noch nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil bietet die Sprache sowie mein Tätigkeitsspektrum noch deutliche Verbesserungsmöglickeiten.
Das einzige was ich schmerzlich und unersetzbar vermisse ist der Fußball. Gucken und vor allem selber Spielen. Aber daran arbeite ich bereits… 
abseiling on course
Der heutige Tag gehört war einer der aufregendsten und schönsten, die ich bisher in Australien hatte. Eigentlich ging es schon gestern Nachmittag gut los. Zum ersten Mal durfte ich mithelfen eine Gruppe bei einer Aktivität zu beaufsichtigen. Von 16 bis 18 Uhr kümmerte ich mich um Jugendliche an den „team ropes“ hier bei uns auf dem Gelände. Das hat wirklich Spaß gemacht und erstaunlicherweise konnten die Teilnehmer sogar meine Anweisungen verstehen und nachvollziehen.
[gruppe1]
Am heutigen Morgen ab 6 Uhr machten Chris, ein vor wenigen Tagen von einem Austauschprogramm aus Kanada zurückgekehrter „instructor“, und ich uns auf den Weg Richtung Nora im Legoland. Nachdem Ben Kaiser uns mit einem 4-WD den Berg hochgefahren hatte, mussten Chris und ich vier Rucksäcke mit Equipment noch gut 30 Minuten weit schleppen. An dem gängigen „abseiling place“ angekommen, bauten wir jeder nach strengen Vorgaben das benötigte System auf. Nach Vollendung und Prüfung blieb dann noch eine gute Stunde Zeit zum Entspannen.
[chrisberg]
Im Laufe des Tages lotsten wir dann mit Hilfe der zugehörigen Gruppenführer und Begleitungslehrer zwei Gruppen die steile Wand hinab. Dabei ist es sehr interessant zu verfolgen, wie sich einige Teilnehmer zwar überwinden müssen, es dann aber umso glücklicher auch schaffen. Außer drei Jungs, von denen es zwei nicht einmal versuchten, haben sich alle getraut.
[abseilsetup]
Spaß hatte ich also nicht nur bei den Testläufen, sondern auch bei der „supervision“ der beiden Gruppen. In den nächsten Tagen werde ich auch noch der letzten Gruppe des Kurses dort assistieren. Hoffentlich wird dieses Event und die nächsten Tage ebenso erlebnisreich. Viel spricht dafür, zumal wir in nur noch vier Tagen nach Cooleman ziehen werden. 
Klettertour
Nachdem in den vergangenen Tagen wenig Nennenswerteres passiert ist, als das ich ab Mittwochnachmittag frei bekam, weil es nichts mehr zu tun gab, habe ich aufgehört diese zu zählen. Auch die Aufgabe des „cooperation course“ das fallende Ei zu fangen, verlief erfolg- und spannunslos.
Der spannende heutige Tag hingegen ging schon um 5:30 Uhr los. Klettern mit Jason, Jimmy und Halley, Teilen der Juliets, stand an. Da Jason bis „noon“ zurück sein musste starteten wir schon so früh. Nach kurzer Autofahrt liefen wir in recht zügigem Tempo 40 Minuten lang einen Berg hinauf. Normalerweise fährt man diese Strecke mit einem 4-WD, weil am Wegesrand verschiedene „campsites“ liegen. Daher kannte ich diese „unsealed road“ schon.
Weitere Strapazen folgten dann in Form der Suche nach einem geeigneten Kletterbrocken. Dabei durchquerten wir ein Gebiet, dass sich „legoland“ nennt. Felsklötze kleiner bis mittlerer Größe liegen hier in der Gegend herum und bilden Durchgänge und Höhlen. Es erinnerte mich sehr an die Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge. Leider wurde die bevorzugte Route, ein enger Spalt, durch einen lose aufliegenden, möglicherweise herunterfallenden Ast blockiert.
Schließlich, nach rund zwei Stunden Herumziehens, erreichten wir dann gegen 9:30 Uhr doch noch eine anspruchsvolle und, wie sich herausstellen sollte, dennoch machbare Herausforderung. Da dieses abgelegene Hochplateau natürlich nicht mit Haken in den Felsen erschlossen ist, bauten Jason und Halley oberhalb der Wand ein eigenes Sicherungssystem auf. Dabei gingen sie streng nach den OBA-Richtlinien vor, indem sie zwei unabhängige „anchor“ einbanden.
In der kurzen verbliebenen Zeit gelang es dann erst Halley, der sich ausgesprochen geschickt anstellte, und dann Jimmy, den Berg zu bezwingen. Die Route, die zu wohl die schwierigste war, die ich jemals versucht habe, hatte eine Länge von geschätzten 25 Metern. Jason scheiterte an der falschen Technik und ich vor allem am rauen Granit und dem kalten Wind. Nachdem ich schon ein ganzes Stück unter mich gebracht hatte, fanden meine inzwischen eiskalten Hände keinen ausreichenden Halt mehr. Außerdem waren meine Turnschuhe leider nicht in der Lage, die feinen, aber notwendigen Vertiefungen nutzbar zu machen. Daher denke ich nur über den Kauf von hier, wie alles andere auch, verhältnismäßig teuren Kletterschuhen und über Fingerkuppentraining nach.
Alles in allem war es aber natürlich ein sehr aufregender Vormittag. Besonders verwundert war ich auch von der Sorglosigkeit, mit der wir durch den Dschungel stapften. Mit gefährlichen Tieren rechnet hier eigentlich niemand. Verwunderlich ist dies insofern, als dass ich gestern Abend die größte „huntsman“-Spinne außer einem Spalt unter der Decke meines Zimmers hervorkriechen sah, die in unserem Appartement bisher gesichtet wurde. Außerdem entdeckten wir auf dem Rückweg am Wegesrand eine riesige, braune Schlange beim Sonnen. Aber damit muss man in dem Land, das die zehn gefährlichsten Tiere der Welt beherbergt, leben lernen. Ich arbeite daran.

Tasks durch abseiling und team ropes und climbing wall und bombie reinigen ergänzen

Location durch Beschreibungen von OBA, Tharwa, Tuggeranong und Canberra (Sydney) ergänzen.

Steckdosen haben Schalter. Auch für Licht. Radio einfach Strom aus.
Nummernschild Heart of the Nation

Hungry jacks burger king
Holden opel
Alles ausgeblichen
Schriftgröße überprüfen

NOVEMBER

Cooleman – Teil 2
Zurück im „mobile base camp“ am Abend des 24. Novembers traf ich dort auf Andi und Flo sowie das gesamte Team B. Da diese bereits am nächsten Tag wieder abreisen würden, nutzten wir die kurze zur Verfügung stehende Zeit hauptsächlich um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen und ein wenig in die Urlaubsplanung einzusteigen. Dazu verbrachten wir auch die Nacht gemeinsam auf dem Boden im „food tent“.
Am nächsten Tag, dem „preperation day“, unseres letzten Cooleman Kurses der Saison ging es zum ersten Mal auch für mich richtig los. Wie ich erst kurzfristig versichert bekam, durfte ich mit Tipu „on course“ gehen. Neben dem Testen des Funkgeräts und Durchschauen der Krankenakten der Teilnehmer sprachen wir noch mit den Kurs- und Team-Leitern. Somit gut vorbereitet ging es dann am Nachmittag nach Verabschiedung des anderen Teams und einem deftigen Hagelsturm wieder einmal hinab ins Dorf zum „Snow Goose“.
Als die Busse am nächsten Morgen ankamen, waren Tipu und ich etwas verwundert, da der unserer Gruppe zugeteilte Lehrer bei den Angaben zur Körpergröße knapp über sechs Fuß eingetragen hatte. Dies entspricht einer Größe von über zwei Meter. Wir hielten also nach einem Riesen Ausschau, sodass wir Steve Ball beinahe übersehen hätten. Der absoluten Durchschnittsmaßen entsprechende Mann um die Dreißig hatte sich wohl verschrieben oder wir es nicht richtig entziffert. Nichtsdestotrotz sollte dies unsere einzige Kommunikationslücke bleiben, da er es sich um einen wirklich sehr sympathischen Zeitgenossen handelte. Nachdem wir dann den Bus bestiegen hatten um diesen zu unserer Ausstiegstelle im Busch zu lotsen lernte ich dann auch noch die Teilnehmer kennen, mit denen ich die nächsten neun Tage verbringen werde.
Es handelte sich um Schüler einer Jungen-High-School der zehnten Klasse aus Sydney. Das besondere an ihnen war, das sie, wie auch alle anderen Schüler ihrer Schule, bereits seit der siebenten Klasse alljährlich Outward Bound Besucht haben. Mit somit vier Kursen im Jahr macht dieser Umstand diese Schule zum größten Kunden von OBA und die mir zugeteilten Jugendlichen zu Teilnehmern mit viel mehr Kurserfahrung als ich sie hatte. Das versuchte ich mir jedoch nicht anmerken zu lassen.
Der erste Kurs-Tag bestand im Wesentlichen nur darin, den Kindern ihr Equipment auszuhändigen. Dies besteht für jeden einzelnen aus einem Rucksack, einem Schlafsack, einer Isomatte, einer Folie für den Boden, einem großen Plastiksack zum Abdichten des Rucksacks und Befestigungsmaterial für die Zeltplane. Diese wiederum, welche hier „bivi“ genannt wird, dient Vierergruppen als Regenschutz. Außerdem bekam die Gruppe noch Kochutensilien und anderes nützliches bzw. nötiges Material wie zum Beispiel einen Spaten in die Eigenverantwortung übergeben. Erklärt hat Tipu den „participants“ fast gar nichts, da sie es noch von ihren bisherigen Outward Bound Erfahrungen wissen müssten, was meisten auch der Fall war. Für mich gab es also nicht viel zu tun, sodass ich die Zeit nutzte mich mit dem Lehrer zu unterhalten. Dies war auch während der nächsten Tage eine meiner Hauptbeschäftigungen. Auch den Aufbau des kleinen Zeltlagers am Abend erledigten die Kinder in Eigenregie. Dennoch waren Tipu und ich gegen Mitternacht gezwungen alle schon schlafenden Mitglieder unserer Gruppe zu wecken. Eine solche Aktion hatten wir bereits zuvor angekündigt, sollte das Lager für die Nacht nicht ordentlich aufgeräumt worden sein. Nachdem diese dann nachgeholt worden war, schliefen dann auch wir eine geruhsame erste Nacht unter unserer Plastikfolie.
Üblicherweise sehr früh wurden wir dann zum bereits angerichteten Frühstück gebeten, diese bestand aber zu meinem und im Laufe des Kurse eigentlich aller Leidwesens nur aus einem recht faden Müsli, das mit klumpigem Milchpulver zubereitet wird. Daher stieg ich für die verbliebenen Morgende auf meine Ration Früchte um. Bis die Gruppe dann allerdings startbereit war verging noch einige Zeit, die unter anderem zum Wasserholen genutzt wurde. Ausnahmsweise schliefen wir an diesem Ort auch in der folgenden Nacht, sodass wir uns den Abbau und das Packen der Rucksäcke sparen konnten. Besonders zweites war sehr erleichternd, da die Navigation, die natürlich auch in der Hand der Gruppe lag, sehr eigenwillig verlief. Letztendlich erreichten wir dann doch noch irgendwann und nicht allzu verspätet den „ropes course“. Hier war es dann an mir die Hälfte der Gruppe beim Benutzen der „low ropes“ zu überwachen. Auf diesen, nur knapp 50 cm über dem Boden gespannten Stahlseilen, mussten die Kinder alleine oder zu zweit balancieren. Dieser Teil und der höhere, von Tipu betreute, liefen professionell geleitet natürlich ohne Probleme ab.
Zweite Beschäftigung des zweiten Tages war die Herausforderung „tyrolean tattoo“. Das Szenario besteht darin eine Seilbahn, die in der Lage ist Wasser zu transportieren, über einen abgesteckten Canyon zu bauen. Ein durchlöchertes Auffanggefäß, das es zu füllen gilt, sowie verschiedene Regeln, die ich vorstellen durfte, erschweren das Ganze. Die Kinder stellten sich nicht dumm an und arbeiteten gut zusammen, sodass wir den Tag nach einer kurzen „in base session“, in der ich ihnen die Funktionsweise des Funkgerätes erläuterte, den Tag recht früh abschließen konnten.
Der folgende dritte Tag bestand nach Zusammenpacken des Camps zuerst darin „community service“ abzuleisten. Unsere Aufgabe war es frisch abgesägte Äste auf einen Stapel zu schichten. Das nahm eine gute Stunde in Anspruch. Als nächstes regenerierten wir dann noch das Waldstück rund um den „abseiling tree“ indem wir Rinde auf dem abgetretenen Boden verteilten, da dieser Bereich in diesem Jahr nicht mehr genutzt werden würde. Der Rest des Tages bestand dann in einem Marsch der den ersten Teil unserer dreitägigen Expedition über Mount Morgan und Howels Peak darstellte. Das Quartier für die Nacht wählten die Teilnehmer selbstständig aus, da für uns eine „expedtion campsite“ vorgesehen war. Leider am Abend regnerisch verbrachten wir unsere erste etwas feuchtere Nacht.
Den folgenden Vormittag verbrachten wir dann mit der Besteigung des Mount Morgan, wobei wir glücklicherweise unser Gepäck im Camp lassen konnten. Der Berg diente einmal den Aborigines als heilige Stätte. Sie schickten die jungen Männer ihres Stammes hinauf um an der Aufgabe zu erwachsen. In einer vergleichbaren Situation befanden sich unsere Teilnehmer auch. Die Navigation der Gruppe funktionierte von diesem Tag an wirklich gut, sodass wir meist auf direktem und damit kürzestem Weg unser Tagesziel erreichten. An diesem Tag war dies ein Schlafplatz in dessen Nähe wir einen „food drop“ für uns fanden. Die Kinder teilten alles unter sich auf, sodass es wie vorgesehen, für die nächsten drei Tage reichte. Besonders zu schätzen lernten Tipu, Steve und ich das „GI first aid“. Dieses Gruppenleiter-Erste-Hilfe-Paket bestand aus einer Rolle Keksen und selbstgebackenem Schokokuchen. Auch wenn man davon natürlich nicht satt wird, war es dennoch sehr angenehm es heimlich im Schutze unseres Zeltes aufzuteilen.
Auch der nächste Tag war vom Wandern geprägt. Wir überquerten Howels Peak recht zügig, sodass wir unsere „buddy group“, eine Gruppe die aus Sicherheitsgründen das gleiche Programm wie wir etwas versetzt absolviert, überholten. Begegnungen der einzelnen Gruppen untereinander werden nach Möglichkeit vermieden und Kommunikation der Teilnehmer ist untersagt. Kurz vor unserem Zielort für die Nacht trafen wir dann an einer öffentlichen Picknickstelle noch auf den Schulleiter, der möglichst viele seiner Schüler im Feld begegnen wollte. Außerdem wurden am Abend noch zwei andere Outward Bound Mitarbeiter abgesetzt, die uns am nächsten Tag beim „caving“ unterstützten.
Dies verlief am sechsten Tag ohne Problem auch wenn die Höhle sehr nass war. Das Wasser stand sogar in Bereichen die man Durchkriechen muss kniehoch. Die Herausforderung wurde dadurch aber nur umso größer. Zuvor hatten wir noch eine „solo session“. Dabei werden die Teilnehmer mit genügend Abstand zueinander im Wald verteilt. Ein gute Stunde lang können sie dann über das bisher Erlebte verarbeiten – wach oder träumerisch. Leider dauert es eine Weile bis ich alle wie eingesammelt hatte, da Tipu sie verstreut hatte. Nach dem Durchqueren der Grotte stand die „values journey“ an. Ausnahmsweise einer Straße folgend, normalerweise dürfen wir diese laut Outward Bound Vorschrift nicht belaufen, wurden die Teilnehmer erneut einzeln losgeschickt. Auf ihrem Weg fanden sie verschiedene Stationen, die aus Umschlägen mit Text und passenden Aufgaben bestanden. Dabei ging es hauptsächlich darum, wie der Name schon sagt, eigene Werte herauszufinden und über diese dann nachzudenken.
Unsere letzte läuferische Herausforderung war am nächsten Tag die Besteigung des Gipfels Tom’o’Rourkes. In wirklich guter Zeit meister die Gruppe dies, sodass auf dem Abstieg und dem folgenden Marsch über die Ebene das Lauftempo besondere Beachtung meinerseits fand. Zum einen war ich von der Gruppe in physischer Hinsicht wirklich beeindruckt. Mit schweren Rucksäcken legten sie eine „pase“ vor, die mich oft zum Schwitzen brachte. Zum anderen achteten sie aufeinander. So wurde der korpulenteste von ihnen bei Anstiegen an die Spitze gesetzt um sein Tempo vorzugeben damit er nicht zurückfällt. Nicht zu letzt war es aber auch die Landschaft und der Weg selbst, den ich anders vermutet hätte. Während man auf befestigten Wanderweg ja recht zügig voran kommt, muss man sich im Busch seinen Weg erst suchen. Doch auch den Ebenen bleibt es anstrengend, da man um Feuchtgebiete herum oder durch seichte Moore hindurch stapft. Alles in allem schafften wir also pro Tag im Schnitt nur maximal 25 Kilometer und waren dennoch jeden Abend sehr erschöpft.
Der achte Tag, unser letzter vor der Abreise, war dagegen zum Abschluss ein angenehm entspannter. Unsere einzige Herausforderung war es, den Tantangara Damm mit Kanus zu überwinden. Aufgrund eines herannahenden Unwetters erledigten wir dies recht zügig ohne normalerweise anstehende „activitys“. Den verbliebenen langen Nachmittag nutzten wir dann zum Reinigen und Sortieren der Ausrüstung. Später war es dann die Aufgabe von Tipu, Steve und mir, den Leitern, den, für jede andere Mahlzeit zuständigen, Teilnehmern auch einmal Dinner zu kochen. Zum Glück bekamen wir Hühnchen zugeteilt, sodass wir in der Lage waren ein sehr leckeres Mahl zu bereiten. Die Kinder führten dafür noch ein kleines, aber wirklich nettes Theaterstück auf. Außerdem war auch das „debriefing“, die Endauswertung, wirklich beindruckend, was zu einer guten Stimmung in der Gruppe und einem geselligen letzten Abend am Feuer führte.
Am nächsten Morgen wurde unsere Gruppe dann, wie auch alle anderen, vom Bus abgeholt wurde um nach Sydney zurückzukehren. Um uns und die Ausrüstung danach wieder zum Basislager transportieren zu können musste ich zuvor allerdings noch eines der Allradfahrzeuge reparieren. Dies gelang mir hauptsächlich mit sehr viel Glück, was dem Gerücht deutschem Gefühl für Autos allerdings keinen Abbruch gab. Insgesamt hatte ich neun wirklich interessante Tage hinter mir. Rückblickend hatte es jeden bis auf einen Tag geregnet und es bestand so gut wie nie die Möglichkeit wieder trocken zu werden. Auch oder vor allem weil es für mich manchmal eine Herausforderung war habe ich sehr viel gelernt und einprägsame Erfahrungen gemacht.
Zurück im Basislager wurden alle Gruppenleiter nach getaner Arbeit bekocht und abschließende Gespräche mit dem Kursleiter fanden statt. Zusätzlich zu den üblichen Arbeiten nach einem Kurs kam dieses Mal auch noch der Abbau des Lagers dazu. Leider hatte es ja während der vergangenen Tage immer geregnet, sodass die Backup-Crew noch nicht viel machen konnte. Dennoch ging alles erstaunlich schnell und wir waren nach zweitägigem Bemühen schon am Nachmittag des 6. Dezembers fertig. Dadurch hatten wir laut Planung noch einen Tag übrig den wir für eine Kanu-Tour als Team nutzen wollten. Daher machten wir uns abends auf in eine kleine Hütte flussaufwärts um dort am nächsten Morgen sehr früh mit Paddeln anfangen zu können.
Somit wachten wir um vier Uhr auf und waren gegen sechs schon auf dem zu Beginn noch recht schmalen Fluss. Ich teilte mir ein Boot mit Radu, dem Moldauer. Nach kurzer Einweisung und Erläuterung einiger spezieller Paddelschläge kamen wir sehr gut voran. Trotzdem dauerte es bedingt durch die Enge des Flussbettes, den immer noch sehr geringen Wasserstand, der durch die vielen Regenfälle schon angestiegen war, und der sehr gewundenen Strecke eine ganze Weile um ein Drittel der Strecke, fährt man mit dem Auto, zurückzulegen. Ständig blieb man am Grund hängen oder zwischen größeren Steinen in Stromschnellen stecken. Nach einem weiteren Drittel, indem wir unter anderem eine „portage“ (einer der wenigen französisch klingenden Ausdrück in der englischen Sprache) um einen kleinen Wasserfall herum machten, wurde dann entschieden Partner zu tauschen. Nun landete ich mit Beechy in einem Boot, der seine zusätzliche Masse mit enormer Kraft wieder wett machte, sodass wir am Ende nach 13 Stunden und rund 50 Kilometern als erstes Team unser Ziel erreichten. Nachdem wir dann ungefähr eine halbe Stunde gewartet hatten und ein Boot immer noch fehlte, stellten wir fest, das Megan, die englische GAP-Schülerin, und Em wohl ein Problem haben müssten. Tatsächlich waren sie seit sie sich nach dem Bootswechsel eines teilten eigentlich nicht mehr gesehen worden. Letztendlich kamen sie dann nach gut zwei Stunden dem ausgesandten Suchtrupp am Ufer entgegen gelaufen. Sie waren nicht in der Lage gewesen ihr Kanu zu kontrollieren und waren, nachdem sie beide Paddel verloren hatten, irgendwo stecken geblieben. Zum Glück war bei dieser unvernünftigen Aktion trotz mangelnder Erfahrung sich zusammen auf den Weg zu machen, die auch später noch eine Nachbesprechung mit dem Teamleiter zu Folge hatte, niemand zu Schaden gekommen. Einziges Problem war, dass wir aufgrund der ohnehin schon späten Ankunftszeit an diesem Tag nicht mehr nach Tharwa zurückkehren konnten. Wir campierten noch eine Nacht im Busch, sammelten am nächsten Morgen in der Früh das verlorene Boot ein und erreichten die „national base“ dann sehr erschöpft am Nachmittag des 8. Dezembers.

Sydney bei Thorben
Wenn die Idee auch schon etwas länger existierte, beschloss ich dann doch recht spontan mich am Montag, dem 19.11.2007, auf den Weg nach Sydney zu machen. Thorben Kuprat hatte mir ein Quartier bei seiner Gastfamilie organisiert, sodass ich nun auch eine konkretes Ziel hatte. Gegen 9 Uhr begann ich meinen Trip dann mit Robs Hilfe, der so freundlich war mich nach Tuggeranong zu fahren, um die nächste Busanbindung zu erreichen. Von dort ging es dann weiter gen Canberra Zentrum wo ich gegen 11 Uhr eintraf. Für rund 15 € buchte ich eine Busfahrt nach Sydney die um 12:30 Uhr beginnen sollte. Die gute Stunde Wartezeit verbrachte ich mit einer Erkundung des Capital Hills und einem kleinen Teil des Regierungsviertels. Dabei entpuppte sich dieser Teil der australischen Hauptstadt als erdrückend langweilig und das weitläufig angelegte, parkähnliche Gelände als sehr Fußgänger unfreundlich. Die dreieinhalbstündige Busfahrt stellte danach eine willkommene Abwechslung dar.
Pünktlich um 16 Uhr traf ich dann auch an der Central Station ein. Nun ging es mit der Tram weiter nach Parramatta einem der äußeren Stadtteile Sydneys. Dort angekommen wurde ich von Thorbens sehr freundlicher Gastmutter Margie direkt vom Bahnhof abgeholt und den letzten Teil bis zu deren Haus gefahren. Gegen 18 Uhr traf ich dann tatsächlich auf meinen Freund aus Deutschland und das am anderen Ende der Welt. Sehr beeindruckt vom reibungslosen Ablauf der Reise und von der Freundlichkeit der Gastfamilie schaute ich am Abend noch bei einem Basketballmatch zu, bei dem Thorben deutsches Spielverständnis bewies und sein Team zu einem 42:17 Sieg in 40 Minuten Spielzeit führte.
Nach einem Lauf am frühen Morgen mit Matt, dem jüngsten Sohn der Familie, hatte ich am nächsten Tag das Glück zusammen mit Belinda, Thorbens Gastschwester, in die Innenstadt fahren zu können. Sie musste eine Ausarbeitung bei der Universität abgeben, sodass ich die Gelegenheit gleich nutzte mir diese einmal anzuschauen. Das alte Gebäude im englischen Stil macht einen ehrwürdigen Eindruck, der im modernen Sydney nur selten zu finden ist. Den weiteren Tag verbrachte ich mit einem ausführlichen Marsch durch dir Stadt in Richtung Circular Quay. Dieser Kai befindet sich zwischen der Harbour Bridge und dem Opera House. Nachdem ich diese am Tag meiner Ankunft in Australien ja bereits im Dunkeln gesehen hatte, war ich vom sehr unterschiedlichen Anblick in strahlendem Sonnenschein sehr erstaunt. Die Brücke wirkt sehr filigran und ästhetisch, während die Oper, vor allem aufgrund ihrer hell gelben Farbe, etwas altbacken daher kommt.
Gegen 15 Uhr traf ich mich dann mit Thorben, dessen Aufgabe es an diesem Tag gewesen war mit einer Deutschklasse Schnitzel essen zu gehen. Gemeinsam machten wir uns dann mit der Fähre auf nach Manly, einem Stadtteil im Norden der einen der berühmtesten Strände Sydneys beherbergt. Dort genossen wir die nachmittägliche bis abendliche Stimmung um dann via Fähre, S-Bahn, Zug und erneutem „lift“ von Thorbens Gastmutter wieder in Parramatta einzutrudeln.
Für Mittwoch, den 21. November, entschloss ich mich Thorben bei seiner Einsatzstelle einen Besuch abzustatten, sodass wir uns zusammen morgens mit dem Schulbus auf den Weg machten. Seine Aufgaben sind neben der Unterstützung des Deutschunterrichts und Expeditionen auch die Erledigung aktuell anstehender Büroarbeit. Somit war es eine absolute Ausnahme, dass er und ich als seine Begleitung an diesem Tag für den Französischunterricht eingeteilt wurden. Also standen wir beiden Ahnungslosen dann nach kürzester Zeit und ohne Vorbereitung vor zwei Französischklassen, die sich dieses Ereignis nachvollziehbarerweise nicht entgehen lassen wollten. Glücklicherweise waren deren Kenntnisse der Sprach noch rudimentärer als unsere, sodass wir vor allem Dank unser Schauspiel- und Improvisationsteckniken unseren Auftritt retten konnten. Nun aufgeweckt und durch die Konzentration erschöpft, verbrachten wir den restlichen Schultag damit Zeugnisse in Mappen sowie Briefumschläge einzutüten. Später und zurück im Haus von Thorbens Gastfamilie machten wir es uns dann mit Pizza und Film gemütlich, da wir bis 22 Uhr sturmfrei hatten.
Am Donnerstag fuhr ich erneut in Richtung Innenstadt. Dabei machte ich einen Zwischenstopp im Sydney Olympic Park der Sommerspiele 2000. Hier verbrachte ich trotz schlechten Wetters den gesamten Vormittag im Umherlaufen zwischen den weiträumig angelegten Sportstätten. Dabei stieß ich auch auf ein internationales Turnier im Rollstuhl Rugby. Dessen Tempo und Einsatzfreud der Teilnehmer begeisterten mich. Nachmittags traf ich dann erneut auf Thorben, der an diesem Tag eine Surf-Expedition betreut hatte. Wir schlenderten noch eine Weile umher bis wir schließlich eigenständig zu seiner Gastfamilie zurückkehrten.
Meinen letzten in Sydney wollte ich mit James und Thorben feiernd verbringen, sodass ich den restlichen Tag zum Kräftesammeln durch Ausschlafen und Ausruhen nutzte. Wie verabredet machten wir uns dann abends auf in einen sehr noblen Club. Dort trafen wir auf einige Freunde von James mit denen wir ein paar Drinks genossen. Den Abschluss fand der Abend dann in einem gemütlichen Garten-Sit-In bei einer Freundin.
Am folgenden Tag musste ich schon früh los um mich mit Tom Walker in einem Nachbarbezirk zu treffen, da dieser mich freundlicherweise zurück nach Tharwa fahren wollte. Bevor wir Sydney allerdings verlassen konnten, musste er noch zur Wahlurne schreiten. Wählen ist in Australien Pflicht und wird mit bei Missachtung mit Geldbußen geahndet. Dementsprechend hoch war dann auch der Andrang bei einer Wahlbeteiligung von über 90 %. Nach 30-minütigem Anstehen und einem dafür umso kürzeren Abstecher zum Haus von Toms Eltern verlief die Rückfahrt dann ereignislos. Angekommen in der „national base“ blieb mir noch gut eine Stunde zum Umpacken. Etwas gestresst aber dennoch begeistert von einer sehr abwechslungsreichen und interessanten Woche in der Zivilisation saß ich kurze Zeit später dann auch schon im Bus nach Cooleman.

„tubing“ mit Rob
An meinem ersten Tag der erstaunlicherweise freien Woche überredete Rob mich dazu mit ihm Tuben zu gehen. Wie es diese Bezeichnung schon vermuten lässt, lässt man sich in einem aufgeblasenen Reifenschlauch einen Fluss hinunter treiben. Kurzentschlossen machten wir uns vormittags in Badehose und Robs Auto auf den Weg zu einem nahegelegenen Fluss zwischen der „national base“ und Lanyon mit Absicht nach erlebtem Vergnügen noch Einkaufen zu gehen. Der Einstiegspunkt befindet sich an einer seichten Stelle, sodass es mir möglich war erst einmal ein Gefühl für den Reifen zu bekommen. Doch auch die ersten Stromschnellen stellten in keinster Weise ein Problem dar, sodass wir gemütlich daher trudelten. Nach einiger Zeit mehr als der Hälfte der Strecke entdeckte Rob dann eine besondere Herausforderung. Auf einer Seite verengte sich der Fluss zu einem kleinen Wasserfall mit lediglich einem halben Meter Höhe. Bei seinem Versuch dieses Hindernis zu überwinden verlor Rob leider seine sehr teure Sonnenbrille, da er im folgenden, aufgewirbelten Wasser mit seiner „tube“ einfach versank und in einen Strudel geriet. Erleichtert, dass mir diese Missgeschick nicht passierte, zog ich in der strahlenden Sonne mein T-Shirt aus und ließ mich den nun wieder ruhigeren Fluss weiter hinab ziehen.
Unglücklicherweise verlor plötzlich und unerwartet auch ich das Gleichgewicht. Davon aufgeschreckt ließ ich mein Shirt für einen Augenblick los, um mich wieder in den Reifen zu wuchten. Doch das war schon genug. Von einer Strömung ergriffen schwamm es davon. Trotz ausgiebiger Such war ich nicht in der Lage es wiederzufinden. Dies war letztendlich dennoch nicht allzu tragisch, da es sich um ein altes Exemplar gehandelt hat. Lediglich unser Plan den Ausflug mit einem Einkauf zu verbinden sah ich nun in Gefahr, weil ich nicht vorhatte halbnackt durch einen Supermarkt zu spazieren. Auf unserem Rückweg zum Auto am Ufer entlang, beriet ich mich diesbezüglich mit Rob, der darin überhaupt kein Problem sah. Also setzten wir unseren Trip in die Innenstadt von Tuggeranong fort.
Auf unserem Weg zu einem Second Hand Laden günstig neue Shirts zu kaufen, mussten wir eigentlich sehr schräg ausgesehen haben. Mit nassen Schuhen und Badehosen, ich ohne Hemd und Rob mit einem zerrissenen, schlenderten wir durch die mittägliche Stadt. Dennoch beachtete uns niemand auch nur im Geringsten. Das ist Australien.

DEZEMBER

Roadtrip
Letztendlich durch ausgiebige Vorbereitungen etwas verzögert, fuhren wir dann doch erst am 20. Dezember los. Bedingt durch das wirklich sehr gute Platzangebot unseres Vans waren wir dann sogar auch noch in der Lage trotz einer vollständigen Wanderausrüstung und nahezu mehr Essen als Kleidung, eine der hinteren Bänke benutzbar zu lassen, sodass ein sehr gemütliches Reisen für den Beifahrer möglich war.
Unterwegs versuchten wir einige Methoden auszuarbeiten die uns das Leben „on the road“ erleichtern würden. Unter anderen empfand ich es als sehr angenehm das morgendliche Brot auf einem der öffentlichen und kostenlosen Barbecue-Platten anzutoasten. Dort und sowieso fast überall findet man auch öffentliche Toiletten, die allerdings nachts meist abgeschlossen werden. Bewegt man sich an der Küste in strandnähe, so standen einem häufig auch Duschen zur Verfügung. Die gesamte Reisezeit über sollte sich allerdings das Auffinden von Steckdosen als schwierig erweisen. Aufgrund der enormen Hitze an viele Tagen (bis zu 50°C im Auto) lief leider auch der, zum Laden gedachte 12V zu 240V Konverter oft heiß. Das alles war aber nicht so tragisch, da wir eigentlich eh nicht wirklich Strom brauchten. Zum Kochen, hatten wir von der vorherigen Autobesitzerin einen Gasherd mit drei Platten (von denen allerdings nur eine lief, sodass schon Spaghetti mit Tomatensoße eine gewisse Geschicklichkeit im aus- bzw. abwechseln der Töpfe erforderten). Besonders der Hauptvorteil eines eigenen, großen Autos, darin auch nächtigen zu können, erwies sich als äußerst praktisch und angenehm. Nicht einen einzigen Dollar haben wir in mehr als drei Wochen für eine Unterkunft ausgegeben. Zu zweit sogar bequem und zu dritt möglich, verbrachten wir alle Nächte im Bus. Manchmal, vor allem in bei Touristen beliebten Städten, gestaltet sich die Schlaf- bzw. Parkplatzsuch als etwas anstrengend, doch vor allem zum Ende der Reise hin, hatten wir den Dreh dann raus. Etwas außerhalb lässt sich immer irgendwo ein Platz finden, der nicht mit Verbotsschildern und damit Polizeikontrollen versehen war.
An den 24 Tagen unseres Trips legten wir mehr als 6500 km zurück. Das sind im Schnitt mehr als 270 km am Tag und entspricht fast der Hälfte der Strecke von hier nach Deutschland. Grundsätzlich sich wir an der Küste von Brisbane bis nach Port Fairy, zwischen Melbourne und Adelaide, gefahren. Ein detailierte Routenplan ist mit der Karte verlinkt.
http://maps.google.de/maps?f=d&hl=de&geocode=&time=&date=&ttype=&saddr=ACT+Tharwa&daddr=Coonabarabran+to:Brisbane+to:surfers+paradise+to:Byron+Bay+to:Nimbin+to:Coffs+Harbour+to:Dorrigo+to:Port+Macquarie+to:Sydney+to:act+tharwa+to:melbourne+to:cowes+to:melbourne+to:Victoria+Torquay+to:apollo+bay+to:Port+Campbell+to:Port+Fairy+to:ballarat+to:bendigo+to:shepparton+to:act+tharwa&mra=pi&mrcr=20&sll=-34.379713,146.184082&sspn=8.627592,20.566406&ie=UTF8&ll=-31.914868,148.623047&spn=17.712251,41.132813&z=5&om=1
An den ersten beiden Tagen meisterten wir die 1280 km von Tharwa bis Brisbane. Kurz vor unserem ersten Zwischenziel Brisbane bekamen wir dann allerdings ein kleines Problem. Unser Auspuff fiel auseinander und das Auto wurde entsprechend lauter. Ausgerechnet am Samstag, den 22.12.2007, machten wir uns dann in den Außenbezirken auf die Suche nach einer Werkstatt. Schließlich hatten wir uns zu einer durchgefragt und bekamen ein Angebot. Das Zusammenschweißen würde lediglich 10 AUS$ kosten, der Abbau allerdings 100 AUS$. Alternativ konnten wir aber auch, mit dem Werkzeug des Besitzers und in dessen Garage, selber diesen Teil übernehmen. Das taten wir natürlich. Somit lagen wir eine ganze Weile unter dem Auto und machten uns dann, dreckig, aber glücklich und um 25 AUS$ (inklusive Trinkgeld) ärmer, auf den Weg in die Innenstadt. Diese war nach der aufregenden Erfahrung dann allerdings nichts besonders. Wenn auch besser als Canberra, kommt es an europäische Konkurrenten einfach nicht ran. Diese Erfahrung machten wir auch an den nächsten Tagen in Surfers Paradise, dem Palma am Mallorca der Gold Coast.
[byron weihnacht] unten
Gemütlicher hingegen stellte sich Byron Bay da. Hier trafen wir am 23.12.2007 auf Thorben, den in Sydney eingesetzten Ersatzdienstleistenden. Er war von Brisbane aus über Fraser Island bereits einen Tag eher hier angekommen und schloss sich uns bis Sydney an. Am Heiligmorgen schauten wir uns ein wenig in der Gegend um. Dabei entdeckten wir ein recht günstiges Surfbrett, dem Andi nicht widerstehen konnte. Zusätzlich noch ausgestattet mit einigen weihnachtlichen Accessoires machten wir uns dann auf den Weg zum Strand fürs Fotoshooting. Dabei wurde die Szenerie nicht nur von unseren Kameras festgehalten, sondern auch von denen vorbeilaufender Touristen. Danach trafen wir uns mit drei anderen Deutschen, die „Work and Travel“ machen, zum Fondue an einer etwas ruhigeren Stelle des Strandes. Dies war sehr schmackhaft und trug zu einem insgesamt unterhaltsamen Heiligabend so fern von heimischen Gefilden bei.
Nach einem weiteren, erholsamen Tag in Byron Bay ging es dann weiter über Nimbin, einem verrückten Kiffer-Dorf in Richtung Coffs Harbour. Bevor wir dort am nächsten Abend ankamen, schauten wir uns noch den Dorrigo National Park an, da dort ein Skywalk, ein großer Steg über den Baumwipfeln des Regenwaldes, beschrieben wurde. Dieser, mit einer Länge von nur rund 50 Metern, stellte sich allerdings, genau wie die „nur „ 40 km auf der Schotterpiste, eher als Enttäuschung heraus. Auch Coffs Harbour und dessen berühmte „Big Banana“ konnten dies nicht wieder ausgleichen. Viel mehr hatte ich auch von diesen beiden Stationen eine andere Vorstellung. Der Hafen war im Grunde nur ein größerer, angeschütteter Wellenbrecher und auch die Banane fiel viel, viel kleiner aus als erwartet.
Noch am selben Abend fuhren wir daher weiter in Richtung von Port Macquarie, wo wir am Freitag, den 28.12.2007 ankamen. Dieses kleine Örtchen gefiel mir richtig gut, weil irgendwie Urlaubsatmosphäre herrschte. Nichts desto trotz ging es recht zügig weiter über Newcastle nach Sydney, um hier rechtzeitig für Sylvester am 30.12.2007 anzukommen. Unser Ziel war Thorbens Gastfamilie in Parramatta. Zuvor machten wir noch kurz einen Abstecher zur Wohnung von Steve Ball, dem Lehrer, mit dem ich zusammen in Cooleman durch den Busch gelaufen bin, in Manly um dort einen Schlafsack abzugeben, den er vergessen hatte.
[feuerwerk rot] unten
Unser Quartier bei der sehr zuvorkommenden Familie, verließen wir am nächsten Tag, dann schon gegen 14 Uhr um uns in der Stadt noch einen guten Aussichtspunkt auf das Feuerwerk sichern zu können. Dies gelang uns schließlich auch außerordentlich gut am Blues Point. Hier trafen wir außerdem auf viele der anderen Zivildienstleistenden, die mit VIA in Australien sind. Alle zusammen erlebten wir dann ein wirklich außergewöhnliches Feuerwerk. An unzähligen Stellen über der Stadt tauchten, sehr gut abgestimmt, immer wieder neue Lichteffekte auf. Den Rest der Nacht zogen wir dann noch durch die Stadt und nutzten das fabelhafte Licht am nächsten Morgen für ein paar gestochen scharfe Fotos.
Später an Neujahr erholten wir uns in aller Ruhe von den Strapazen, denn Fitness war am nächsten Tag gefordert. Mit James, dem älteren Gastbruder gingen wir Surfen. Leider waren die Wellen zu hoch, sodass nicht einmal er, als Geübter, in der Lage war hinaus zu paddeln. Sehr erschöpft fuhren Andi und ich dann nachts am 02.01.2008 zurück nach Canberra.
Überraschenderweise platzten hier, am späten Abend des nächsten Tages, Manu, Niclas und Daniel herein. Zusammen machten wir mit Flo, dessen Freundin, deren Freundin, Rob und Rosli einen Barbecue, der mit Schwimmen und Fußball verbunden war. Außerdem fuhren wir mit ihnen nach Canberra und besichtigten dort das War Memorial. Am Montag, den 07.01.2007, ging es dann weiter nach Melbourne, wo die anderen eh hin wollten, da Niclas dort in der Nähe eingesetzt ist. Auf dem Weg sammelten wir in Canberra noch Thomas, einen anderen GAP Student, der mit Manu zusammen bei Townsville arbeitet. In Melbourne hielten wir dann allerdings nur kurz an um Daniel raus zu lassen und fuhren direkt weiter Richtung Philip Island. Hier nächtigten wir noch auf dem Festland bei Niclas Gastfamilie. Am nächsten Tag fuhren wir auf die Insel zu Niclas „placement“, zum Surfen und Beobachten der Pinguin Parade. Ein mit Eintritt versehenes, aber dennoch sehr interessantes Naturschauspiel, bei dem man den etwa 30 cm großen Pinguinen bei ihrem Weg ins Nest zuschaut.
Andi und ich ließen die anderen drei dann am nächsten Tag zurück und fuhren wieder nach Melbourne. Den verbliebenen Nachmittag und Abend, sowie den nächsten Tag verbrachten wir dort damit, Ned Kellys Galgen zu begutachten, bei den Australien Open reinzuschnuppern, durch die Straßen bei Nacht zu schlendern und das Melbourne Museum sowie die State Library of Victoria zu besichtigen. Danach ging es über Geelong weiter nach Torquay, Australiens Surfer Hochburg. Mit entsprechenden Stränden, Typen, Läden und einem Museum ausgestattet, bekam ich zum ersten Mal einen Eindruck vom angenehmen Flair der Südküste, die sich auch im weiteren Verlauf der Tour als irgendwie urlauberischer als die North Coast (Teil der Ostküste zwischen Sydney und Brisbane) erwies. In den folgenden Tagen reisten wir dann über Apollo Bay und Port Campbell die Ocean Road entlang bis zu den Zwölf Aposteln.
Etwas unglücklich sahen wir diese im Licht eines bewölkten Himmels. Dennoch sind diese Klippen und die Formationen um sie herum sehr eindrucksvoll. Definitiv eines der Highlights unseres Urlaubs. Dieser neigte sich, nach unserem Entschluss, aufgrund der großen Distanz und der kleinen Anzahl verbliebener freier Tage von Andi, doch nicht mehr bis nach Adelaide zu fahren, sondern auf direktem Weg zurück ins Basislager bei Canberra, langsam dem Ende zu. Somit erreichten wir Tharwa in der Nacht vom 13.01. auf den 14.01.2008.
Zurückblickend habe ich sehr abwechslungsreiche Wochen gehabt. Wir haben verschiedenste Leute getroffen, beeindruckende Orte besucht und unvergessliche Erlebnisse gehabt. Etwas enttäuscht von dem Land, das in den riesigen Entfernungen zwischendrin tatsächlich leer zu sein schein, haben die Menschen einmal mehr ihrer große Gastfreundlichkeit bewiesen. Australien ist aus Sicht eines Touristen auf jeden Fall einen Besuch wert, allerdings ist nicht der ganze Kontinent so spannend wie die Harbour Bridge und der Uluru (hoffentlich!). Deren Spannung allerdings lebt aber irgendwie auch genau davon.

Triathlon und Outward Bond Ball 2007
Bereits um 6:30 Uhr begann der zweite „all staff day“ mit den Vorbereitungen für den um 7 Uhr startenden Triathlon. Natürlich nahmen Flo, Konstantin und ich als deutsches Team teil. Die wenigen Regeln, des OBA internen Rennens, bestanden hauptsächlich darin, dass jedes Mannschaftsmitglied aus einem anderen Arbeits-Team stammen muss und jeweils für eine Disziplin zuständig ist. Beginnend mit Flo auf dem Rad, folgte ich als Läufer und Konstantin als Schwimmer. Alles in allem war es also ein Staffellauf mit verschiedenen Teilstücken.
[Flo im Garten] runter
Um dem ganzen den nötigen Pepp zu verleihen handelte es sich bei unserem Maskottchen um ein Foto von David Hasselhoff mit dem wir hier irgendwie oft in Verbindung gesetzt werden. Der Hammer allerdings, und diese Formulierung wähle ich ganz bewusst, der Hammer war das Fahrrad mit dem Flo zur rund 15 km langen Strecke antrat: Das Einrad!
[um die Kurve] runter
Zu faul ein richtiges aufzutreiben und die Herausforderung suchend ordnete er sich an der Startlinie in guter Position zwischen den anderen Teilnehmern ein. Sobald das Rennen eröffnet war schulterte er das Rad auch schon und rannte dem Feld von Beginn an hinterher. Dabei stellte Flo sich allerdings ausgesprochen geschickt und fit an. Hätte er im weiteren Verlauf auf Anhieb den richtigen Weg gefunden, wäre ein Überholmanöver sogar noch möglich gewesen. Am Ende lief er tatsächlich die volle Distanz ohne das Einrad zurückzulassen oder auch nur einen Meter auf ihm zu fahren. Bei der ersten Übergabe daher schon chancenlos machte ich mich dennoch hoch motiviert auf die rund sieben zu laufenden Kilometer. Gefolgt nur noch von einem Abbaufahrzeug, das mich sehr an den Besenwagen bei der Tour de France erinnerte, erreichte ich als letzter Läufer den, bereits entsprechend lange wartenden, Konstantin. Seinen Schwimm-Teil absolvierte er, während Flo und ich neben der Strecke am Fluss entlang liefen, um später mit ihm gemeinsam das Ziel erreichen zu können, wie es die Regeln vorsahen.
Als letztes Team und dennoch Sieger der Herzen aufgrund Flos unglaublicher Leistung liefen wie irgendwann dann auch ins Ziel. Insgesamt stellte hat diese sportliche Herausforderung meine Erwartungen an Spannung und Spaß auf jeden Fall erfüllt. Auch wenn das letztendliche Siegerteam einen guten Eindruck gemacht hat, hätte ich sehr gerne unser Leistungsvermögen mit einem vernünftigeren Fahrrad herausgefunden. Sollte es ein nächstes Mal geben werden wir mit gesteigertem Ehrgeiz auf alle Fälle wieder an den Start gehen.
[gruppenbild] hoch
Am Abend zog man sich dann um, da zum Jahresende traditionell eine Feier statt findet. Diesjährig unter dem Motto „Outward Bond `007“. Dazu wurde im nahen Vorort von Canberra ein Restaurant reserviert und eine Band organisiert. Im Verlaufe des Abends wurden dann verschiedene Ehrungen ausgesprochen und Preise verliehen. Überraschenderweise wurden Andi und Flo dabei zum „cutest couple“, also niedlichstem Pärchen, gekürt. Mit dem Ende diese sehr speziellen, weil OBA typischen Festaktes, gingen auch die beiden „all staff days“ zu Ende. Diese waren wirklich sehr interessant und spannend für mich gewesen. Viele Mitarbeiter kannte ich zuvor noch nicht und auch die Ziele der Organisation schienen bei verschiedensten Gelegenheiten deutlich durch. 
Gruppenfoto und Autokauf
Der erste von zwei „all staff days“ begann mit einem morgendlichen Gruppenfoto. Passend dazu waren kurz zuvor auch neue Hemden eingetroffen. Tatsächlich waren auch nahezu alle Mitarbeiter da, sodass es dem Fotografen nicht leicht viel uns zu arrangieren. Die gute Gelegenheit einmal alle abzulichten habe ich natürlich ausgenutzt und meine Kamera einfach mal daneben gestellt.
Der weitere Tagesablauf war von Teambesprechungen geprägt. Im Grunde gab es für uns daher nichts mehr zu tun. Andi und ich trafen uns daher mit Eva, der einzigen festen deutschen Mitarbeiterin, die jedoch nach fünf Jahren hier am Ende des Jahres zurück nach Deutschland geht. Ihr Auto lässt sie aber natürlich da und hatte es uns zum Verkauf angeboten. Da wir für unseren geplanten Roadtrip in den Sommerferien eh noch ein Fortbewegungsmittel benötigten, konnten wir ihrem sehr fairen innerdeutschen Angebot nicht wiederstehen, sodass wir stolze Besitzer eines alten Toyota Tarago Vans sind.
Abends fand dann im Gatehouse noch eine Weihnachtsfeier statt. Die Kleiderordnung sah „spandex“ vor. In sehr engen Klamotten und irgendwie zusätzlich auch noch weihnachtlich traf sich dann eine Unmenge von Mitarbeitern um auf Outward Bound eigene Weise zu feiern. Neben Wichteln, einer Reifentanzvorführung und Catchen in einem mit abgelaufenen Fertignudeln gefüllten Becken stand auch ein Cocktailwettbewerb auf dem Programm, bei dem Andi ohne Anmeldung und eigene Zutaten Deutschland mit einem hervorragenden zweiten Platz repräsentierte. Trotz und dank der Nudelreste auf allen Kleidungstücken war es ein sehr unterhaltsamer Abend.
Für den nächsten Tag stehen morgens ein Triathlon, sowie Preisverleihungen und am Abend noch der Jahresabschlussball an.

“Namadgi National Park”-Ranger Day
Nach einigen freien Tagen hatte eine Delegation meines Teams zu der auch ich gehörte am 14. Dezember wieder einen Arbeitstag. Wir hatten einen Termin mit den Rangern des Nationalparks der unsere Hauptbasis umgibt. Da wir genau wie sie im Namadgi-Park arbeiten erschien es recht nützlich und auch interessant sich ein bisschen besser kennenzulernen.
Gegen 10 Uhr trafen wir, Dave, Claire, Meg, Tipu, Abi und ich, uns daher mit sechs der Ranger zu denen im Verlauf des Tages noch zwei weitere hinzustießen. Den ersten Teil des gemeinsamen Tages gestalteten wir um dann am Nachmittag im Besucherzentrum Kaffee zu trinken. Die erste der beiden Aktionen die wir leiteten war das sogenannte Legoland. Ähnlich wie beim „caving“ muss man sich hier durch recht enge Gänge zwängen. Am Ende jedoch gelangt man an einen beindruckenden Aussichtspunkt.
Inzwischen bereiteten Abi und Claire schon das „abseiling“ vor. An der Stelle, die ich schon einmal mit Chris aufgebaut hatte, durften auch die Ranger nach fachmännischer Einweisung sich den Fels hinunter seilen. Nach kleinem Snack zur Lunchzeit machten wir uns dann auf den Weg zum Besucherzentrum und Büro der Parkwächter im Nationalpark. Es ist nur rund einen Kilometer von unserer Basis entfernt.
Hier wurde uns noch eine gelungene Diashow und die kleine Ausstellung vorgeführt. Damit ging dieser wirklich interessante und sehr abwechslungsreiche Arbeitstag zu Ende.

JANUAR

Umzug
Nachdem die Juliets die Apartements verlassen haben, darf ich nun ein neues Zimmer mein Eigen nennen. Es ist das größte in dem Gebäude. Dafür teile ich es mir aber auch mit Konstantin, der unglücklicherweise bis Mai noch im Westen ist. 
Hairlich
Eines schönen Tages beschlossen Andi, Flo und ich unseren Ruf als „crazy germans“ noch zu untermauern.
Nach kurzer Kollekte aller notwendigen Utensilien, machten wir uns daran uns gegenseitig die Köpfe zu scheren. Der Hauptgrund für diese, recht ungewöhnliche Weise, sich eine neue Frisur zuzulegen, bestand darin, dass wir alle zu geizig waren, einen Hairstylisten aufzusuchen, dem wir letztendlich eh nicht getraut hätten. Und da es uns an Erfahrung auf diesem Gebiet der schöpferischen Künste mangelt, entschlossen wir uns für die Variante eines Kahlschlags. Da kann man von der Form her ja zum Glück nichts falsch machen.
Die rund 7-stündige Aktion war in verschiedene Stufen unterteilt. Jeder wollte die Gelegenheit nutzen, um herauszufinden, wie ihm ein Topfschnitt oder die Frisur einer prominenten deutschen Persönlichkeit steht. Als besondere Herausforderung stellte sich dann aber die abschließende Nassrasur heraus. Irgendwie schienen die widerspenstigen Zotteln schneller nachzuwachsen als man sie abschneiden konnte. Am Ende ist es uns dann doch gelungen sie zu bändigen und unserem Auftritt mit einheitlichen Hemden und Frisuren beim „morning meeting“ am nächsten Tag stand nichts mehr im Weg.


Kletterhalle
Mit Jason und seiner Freundin Kim beschlossen Andi und ich spontan in eine Kletterhalle am anderen Ende von Canberra zu fahren. Schon lange nicht mehr und insgesamt viel seltener als es mit lieb ist, hatte ich in der letzten Zeit die Gelegenheit mich in diesem Sport zu üben. Daher war ich natürlich hoch motiviert. Leider spürte ich dieses Trainingsdefizit schon nach kurzer Zeit. Vor allem die Kraft in den Fingerspitzen, um an den Griffen Halt zu finden, schwand sehr schnell. Zur Übung klettere ich deswegen eine schräge Anfängerwand ganz ohne die Hände zu benutzen. Schließlich zeigte uns Jason noch eine Route an der er mit Marcelo arbeitet. Die Griffe dort unterschieden sich von den Schraubenköpfen, mit denen sie befestigt sind, nur wenig. Alles in allem verbrachten wir sehr unterhaltsame drei Stunden.

FEBRUAR

Schweißen
Wieder einmal war es Stew, der mir eine neue Erfahrung ermöglichte. An zwei meiner freien Tage stand ich etwas früher auf und half ihm ein bisschen beim Rasenmähen. Als Gegenleistung zeigte er mir in der gewonnenen Zeit das Schweißgerät. Die Erklärungen des gelernten Schweißermeisters fielen jedoch relativ rar aus: „Hier sind Knöpfe an denen man etwas einstellen kann. Finde am besten einfach selber heraus, wie das geht. Außerdem ist das Gas fast leer. Aber das wirst du schon merken, wenn es soweit ist.“ Typisch australisches „Learning by Doing“ also.
Selbständig verbrachte ich dann die nächsten beiden Tage damit, einen Bauplan zu erstellen, Material zu sammeln, es auszumessen, zuzuschneiden und zusammenzufügen. Mein Ziel war es eine Halterung für vier große „woolbale“ zu erschaffen, da diese sonst immer in sich zusammenfielen und das Halten von Ordnung im „Team C“-Schuppen sehr behinderten.
Im Nachhinein erwies sich die Wahl von Rohren als Grundmaterial, in Ermangelung eines Besseren, und anfängliches Unverständnis in der richtigen Anordnung bzw. Positionierung derer, als größte Schwierigkeit. Nach und nach stellte ich mich aber darauf ein und konnte ein recht stabiles Gebilde zusammensetzen. Es erfüllt einen Zweck wunderbar. Aufgrund meines ehrenamtlichen Engagements und der Tatsache, dass meine Konstruktion den Hauptteil in der Lagerecke ausmacht, entschloss ich mich diese, ganz selbstlos, „Richter-Bay“ zu taufen.

Lead Climbing
Nach langem Überlegen habe im mich letztendlich doch entschließen können, mir ein Paar Kletterschuhe zuzulegen. Einen zusätzlichen Anreiz zu dieser Entscheidung stellte auch mein Training an der hiesigen, OBA eigenen, Kletterwand dar. Mit Pabi, Rosli, Caleb und Nick, hatte wir schon mehrmals erfolglos versucht eine bestimmte, sehr schwierige Stelle zu meistern. Mit geborgten Schuhen von Caleb fiel mir das schon um einiges leichter und mit meinen eigenen habe ich es nach Vorführung von Ali Rose dann sogar geschafft.
Ihren ersten richtigen Einsatz bekamen die Schuhe dann auch mit Ali und Pabi. Zu dritt machten wir uns früh morgens auf den Weg nach Booroomba. Dank Alis unglaublicher Menge an Ausrüstung und seinen Fähigkeiten, kam ich in den Genuss eines frei geführten Lead Climbs. Das bedeutet, dass Ali als erster vorgestiegen ist, um die Sicherungen am Fels zu befestigen. Bedingt durch die Seillänge hat er dann irgendwann angehalten und wir konnten von unten nachsteigen während er uns von oben gesichert hat.
Ohne die Schuhe hätte ich definitiv nicht auch nur den Hauch einer Chance gehabt. Mit ihnen allerdings, war das ein wunderbarer Tag. 
Gärtnerei
Meine Arbeit in den letzten Tagen bestand hauptsächlich aus Gärtnern. Ich half also dem „Hausmeister“ Stew ein bisschen aus. Neben dem Reparieren von kaputten Wasserleitungen und Ausbuddeln von Leerrohren, galt es vor allem Herr über die riesigen Rasenflächen zu werden. Dazu durfte ich sogar mit dem teuren Rasenmäher durch die Gegend fahren.
Den gesamten heutigen Tag hingegen verbrachte ich mit dem Beschneiden der Rasenkanten. Ausgestattet mit einem 4-Takt Benzin Rasenkantenschneider lief ich von einer Ecke in die nächste. Für genug Sprit und Schneideschnur war gesorgt, sodass ich fast das ganze Gelände abarbeiten konnte.


Quebexe
Bereits am 30.01.2008 waren die acht neuen Auszubildenden angekommen. Dem phonetischen Alphabet folgend, werden sie „Quebecs“ genannt. Neben einem Neuseeländer, zwei Engländer und eine Belgierin handelt es sich bei dem Rest um Australier. Von Beginn an machten alle einen sympathischen ersten Eindruck der sich inzwischen verfestigt hat.
Nach nur einer Nacht waren sie allerdings sofort für rund eine Woche unterwegs. Ihre „course experience“ sollte ihnen vermitteln, wie es bei OBA grundsätzlich läuft. Als Abschluss dieses Programms durften sie dann uns „alte Hasen“ der Mitarbeiter bekochen. Der Abend lief dann in einer gemütlichen Willkommensfeier aus.

MÄRZ

Erschließung eines Tales
Kurz vor Ende des Monats war dann doch noch ein Höhepunkt. Der größte Kurs unserer Saison setzt sich aus den Jahrgängen sieben und acht einer Schule in Sydney zusammen. Im Übrigen sind diese Teilnehmer auch die einzigen Siebtklässler, die wir betreuen.
Jedenfalls finden die Kurse für beide Jahrgänge zeitgleich statt. Unser Gebiet um die nationale Basis ist jedoch nur groß genug für einen. Also findet der „year 7 course“ alljährlich im benachbarten Orroral Valley statt. Da es sich bei diesem um ein recht normales Tal, wenn auch das kälteste Australiens, handelt, muss natürlich eine Menge vorbereitet werden. So galt es nun einen „low ropes course“, einen „abseiling tree“ , „flying fox“ und einen Hindernisparcours aufzubauen.
Ich war mit Romano, Elle und Clare für die „low ropes“ eingeteilt. Innerhalb von nur zwei Tagen spannten wir einen ganz ansehnlichen Abenteuerspielplatz zwischen den Bäumen auf.


Zwischenzeit im März
Den gesamten März über ist eigentlich nicht wirklich viel Nennenswertes passiert. Es waren eher viele kleiner Dinge von denen ich nur mal einen kurzen Überblick zusammengestellt habe:
• Es war eine sehr arbeitsreiche Zeit mit vielen langen Tagen. Unter anderem dadurch bedingt, dass ich nun noch mehr „driving qualifications“ errungen habe und auch öfter mal ein „abseiling“-System aufgebaut habe. Außerdem fand der erste unserer drei großen Kurse dieser Saison statt.
• Leider schon zu Beginn des Monats musste ich mich von einem mir inzwischen sehr lieb gewonnen Freund verabschieden. Rosli Abdullah von den Juliets machte sich nach Beendigung seines Trainings hier zurück auf den Weg nach Hause in Malaysia. Mir wurde die Ehre zuteil ihn morgens um fünf Uhr zum Flughafen fahren zu dürfen.
• Eines Samstag abends, an einem ausnahmsweise freien Wochenende, entschlossen sich vier der Quebecs und ich das Nachtleben von Canberra zu erkunden. Dazu fuhren wir mit Nicks Wagen in die Stadt, jedoch fest entschlossen nachts nicht mehr zurückzufahren. Nach einem wirklich gelungenen Abend in der nächtlichen Hauptstadt, die erstaunlicherweise sogar richtig zum Leben erwachte, liefen wir dennoch erst einmal zurück zum Auto. Allerdings nur um unsere Schlafsäcke und Isomatten einzusammeln. Damit ausgerüstet ging es dann wieder direkt in die Innenstadt. Auf einer parkartigen und breiten Verkehrsinsel der Hauptstraße brachen wir unser Nachtlager zwischen Pubs und deren Besuchern an. Bis morgens um neun Uhr fanden wir tatsächlich Schlaf. Alles in allem eine sehr verrückte aber auch sinnvolle Aktion gegen „Drink and Drive“.
• Das nächste Ereignis war dann der Besuch von Andis Schwester und ihrem Freund. Diese kamen am 11. an und verbrachten eine Nacht auf unserer Basis. Den Hauptgrund ihres Besuches wurden sie schon am nächsten Tag gerecht indem sie sich unser Auto schnappten und sich auf den Weg nach Adelaide machten.
• Das Wochenende vom 21. bis zum 23. war von weiteren Besuchen geprägt. Zuerst traf ich mich am Freitag mit Kirsten Hilker, einer ehemaligen Klassenkameradin, in Canberra. Sie hatte zuvor ein halbes Jahr als Au-pair in Sydney gearbeitet. Beim Rumreisen machte sie auch einen Halt in der Hauptstadt. Es war ein schöner Nachmittag, der mir vor Augen geführt hat, wie klein die Welt am Ende doch nur ist.
• Der nächste Gast, den ich bei Outward Bound empfing, war Thorben. Nach einigen Malen die ich bei Ihm vorbeigeschaut hatte, wollte er nun auch endlich mal wissen, was ich denn so den ganzen Tag treibe. Dazu besichtigte er zuerst die City und einen anderen Freund, bevor er dann am Sonntag bei mir eintrudelte. Kurz entschlossen machten wir uns auf zu einer kleinen Wanderung. Unser Ziel war es den nahe gelegenen Mt Tennent zu erklimmen. Bei schönstem Wetter genossen wir schon bald die Aussicht auf die Australischen Alpen und Canberra. Der Abend wurde mit einem vorzüglichen Mahl bei einem Film verbracht. Leider hinderte uns Regen am nächsten Tag daran Klettern zu gehen. Bevor Thorben dann wieder zurück nach Sydney musste, besuchte ich stattdessen eine seltene Veranstaltung von OBA.
• Die Auszubildenden, die letztes Jahr kurz vor mir hier angekommen waren, die Juliets, hatten ihr Training inzwischen beendet. Nun fand ihre „graduation“, also ihr Abschluss, statt. Dazu waren sogar einige Eltern und Freunde anwesend. Insgesamt spannend zu sehen, wie die unerfahrene Truppe, die ich zu Beginn kennengelernt hatte, nun zu erfahrenen Instruktoren herangebildet wurde.
• Einen anderen Tag war ich mit Tipu und Pabi klettern. Da wir nur zwei Seile und nicht eine komplette Ausrüstung mithatten, mussten wir zwangsläufig ein Top-Rope-System aufbauen. Dennoch hatten fanden wir eine Herausforderung und genossen schon bald die Aussicht vom Gipfel des Berges.
• Gegen Ende des Monats waren es erneut Tipu und Pabi mit denen ich etwas unternahm. Es galt mal wieder Unmengen von Essen zu packen. Aufgrund unserer Erfahrung ging dies allerdings recht zügig von statten.
Etwas wirklich akut Wichtiges gab es also nicht zu berichten. Aber nach und nach hat sich dann doch einiges aufsummiert. Von Ostern habe ich im Übrigen hier gar nichts mitbekommen.

APRIL

Kuchen-Contest
Während des Cranbook-Kurses findet alljährlich ein Back-Wettbewerb statt. Der siebente und achte Jahrgang dieser Schule ist zur selben Zeit im Feld. Daher sind auch sehr viele „staff member“ involviert. Umso mehr lohnt es sich also all diese durch eine süße Unterstützung aufzuheitern und Meinungen über die verschiedenen Backwaren einzuholen.
Nachdem zwölf verschieden Leute einen Nachmittag bis in den späten Abend damit verbracht hatten, ihre Künste in der Beherrschung von Mehl und Zucker zu erproben, war eine Unmenge an sehr unterschiedlichen Kuchen entstanden. Ich schickte meinen persönlichen Lieblingskuchen nach Familienrezept ins Rennen: Den Blitzkuchen. Sehr zu gute kam mir dabei, dass jedem eine Spezial-Zutat gestattet wurde. Somit konnte ich meinen Kuchen sogar mit Mandeln abrunden. Tom und ich organisierten dann ein Bewertungssystem ähnlich dem des Eurovision Song Contests.
Die Auswertung und Verkündigung des spannend erwarteten Ergebnisses lag damit auch in unseren Händen. Mit 277, und damit nur einen Punkt vor der Zweitplatzierten Peta Weist, konnte ich mir tatsächlich den ersten Platz sichern. Ruhm und Ehre gebührt meiner Meinung nach allerdings weniger der Umsetzung als vielmehr dem Rezept.

April, April
Am 1. April finden ja traditionell April-Streiche statt. Dieser Tradition wollten Andi und ich natürlich auch in Australien folgen. Ganz klassisch banden wir Angelsehne an einen 50 $AUS-Schein. Diesen legten wir dann an geschäftigen Plätzen auf dem Gelände aus und wartet auf unsere Opfer.
Leider war an dem Tag nicht so viel los, sodass trotz langer Wartezeiten nur vier Leute auf uns reingefallen sind. Diese empfanden den „april fool“ allerdings als willkommene Abwechslung.

MAI

Zeit mit Freunden
Fast der gesamte Monat Mai stand im Zeichen des Besuchs meiner Freunde aus Deutschland. Matthi, Max und Timo hatten sich tatsächlich auf den Weg gemacht, mir fernab der Heimat in Australien einen Besuch abzustatten. Nach rund drei Wochen in Melbourne und Adelaide kamen sie am 1. Mai mit dem Flieger in Canberra an.
Leider musste ich noch gut eine Woche arbeiten, sodass sie sich die Zeit auf vielfältigste Weise selbst vertreiben mussten. Dazu unternahmen sie mit meinem Van einen Trip an die Südküste in den Nationalpark Wilsons Promontory. Dessen Sehenswürdigkeit war jedoch eher nebensächlich verglichen mit den Abenteuern, die ihnen das Auto bescherte. Kurz vor dem Ziel wollten Teile der Gangschaltung irgendwie nicht mehr. Genauer gesagt alle Gänge bis auf den vierten. Nach einer Zwangspause, während der Wagen repariert wurde, konnte der Ausflug dann aber noch erfolgreich vollendet werden. Danach unternahmen sie eine unvergessliche Wanderung auf den nahegelegenen Hügel und statten der Hauptstadt einen Tagesbesuch ab. An meinem letzten Arbeitstag nutzten wir noch die Kletterwand und den „giant swing“. Dabei handelt es sich um einen gesicherten Sprung, bei dem man vielleicht 2 bis 3 Meter frei fällt und dann ausschwingt.
Erst nach all dem hatte ich endlich frei, sodass wir mit einem gemeinsamen Urlaub beginnen konnten. In einer nächtlichen Aktion, fuhren wir nach Sydney, um von dort früh morgens unseren Flug nach Townsville zu nehmen. Waren wir hier im Süden bei gefühlten 10°C gestartet, wurden wir im ca. 2000 Kilometer entfernten Norden von angenehm warmen 27°C empfangen.
Die ersten beiden Tage verbrachten wir entspannt in Townsville und an dessen Promenade „the strand“. Außerdem nutzten wir die Zeit um weitere Pläne zu schmieden. Einer davon war es sich das Great Barrier Reef zu Mute zu führen. Also standen wir am 13. Mai mal ein bisschen eher auf und ließen uns zum gut 60 Kilometer entfernten Riff schippern. Für Schnorchelausrüstung und Verpflegung war auf dem Boot gesorgt. Bei leider etwas bewölktem Himmel, war es dennoch ein sehr schönes Erlebnis mit den Fischen um die Wette die Korallen zu um kurven. Es fühlte sich an als schwämme man in einem riesigen Aquarium. Nach mehr als vier Stunden in und auf dem Wasser machten wir uns auf den Weg zurück.
Abgesetzt wurden wir jedoch nicht auf dem Festland, sondern auf Magnetic Island. Diese sehr beschauliche Insel mit bester Urlaubsatmosphäre liegt vor der Küste Townsvilles. Die erste Nacht verbrachten wir in einer genialen Jugendherberge. Es war eine Mischung aus Zelt- und Bungalow-Platz, Bar, Disko, Strandcafé und eben eines Hostels. Abends war auch trotz Werktags richtig etwas los. Unter anderem fand auch ein Trinkwettbewerb, den „Team Sauerkraut“, trotz meiner Beteiligung, souverän gewann. Am nächsten Tage erkundeten wir dann noch den Norden der Insel und zelteten die darauffolgende Nacht in einer einsamen Bucht.
Am Samstag fuhren wir mit Bus und Fähre dann wieder nach Townsville um uns dort mit Manu zu treffen. Dieser holte uns ab um mit sich mit uns auf den Weg zu seiner Unterkunft im 130 Kilometer entfernten, südöstlich gelegenen Charters Towers zu machen. Hier ist er mit Lukas und Thomas in einer Schule als Aushilfe, auch für Unterricht(!), eingesetzt. Daher nutzten wir den nächsten Tag um alle Möglichkeiten, die eine solche Institution bietet, auszuprobieren. Wir spielten Fußball und Tennis, besichtigten den Kindegarten und das Lehrerzimmer, nahmen an Manus Informatikunterricht teil, speisten in der riesigen Mensa am Lehrertisch auf einem Podest vor allen Schülern und hatten mit eben diesen am Abend sogar noch eine Wasserschlacht. Unsere letzte Nacht in Queensland feierten wir im örtlichen Pub. Hier kennt jeder wirklich jeden und wir jetzt auch den Sportlehrer. Leider schloss die Kneipe aus unerklärlichen Gründen schon um 24 Uhr, sodass es uns nicht all zu schwer viel am nächsten Morgen pünktlich unseren Flieger nach Sydney zu bekommen.
Hier hatten wir uns im Vorfeld bereits ein Viererzimmer im Hostel reserviert. Diese bot sogar genug Platz um auch noch Andi auf einer Isomatte zu beherbergen. Diesen trafen wir wie verabredet am Nachmittag dort. Abends kamen dann noch Thorben und sein Gastbruder James hinzu. Uns sieben standen dann im Kneipen- und Klub-Bezirk Sydneys, Kings Kross, alle Türen offen. Da ließen wir uns nicht zweimal bitten…
Die restlichen Tage unseres Urlaubs und des Aufenthalts meiner Freunde in Australien genossen wir Sydney. Neben dem Sonnenuntergang hinter dem Opera House und der Harbour Bridge, verbrachten wir auch einen Tag am berühmten Bondi Beach. Am Mittwoch, dem 21. Mai, machten Matthi, Max und Timo sich dann zurück auf den Heimweg.
Auch Andi und ich fuhren mit einem Abstecher über die Blue Mountains bei den Three Sisters zurück nach Hause. Insgesamt lagen nun drei sehr erlebnisreiche und kurzweilige Wochen hinter mir. Der Besuch ließ den Monat Mai nur so verfliegen.